{"id":452,"date":"2022-04-28T17:09:41","date_gmt":"2022-04-28T17:09:41","guid":{"rendered":"https:\/\/legrandcontinent.eu\/dee\/2022\/04\/28\/wirtschaftspolitik-im-krieg\/"},"modified":"2025-02-19T11:20:34","modified_gmt":"2025-02-19T11:20:34","slug":"wirtschaftspolitik-im-krieg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/legrandcontinent.eu\/de\/2022\/04\/28\/wirtschaftspolitik-im-krieg\/","title":{"rendered":"Wirtschaftspolitik im Krieg"},"content":{"rendered":"\n
Niemand kann zuverl\u00e4ssig voraussagen, wie sich der Krieg in der Ukraine entwickeln wird und was seine geopolitischen Konsequenzen \u00fcber die n\u00e4chsten Monate, geschweige denn Jahre sein werden. Und dennoch m\u00fcssen politische Entscheidungstr\u00e4ger die Folgen des Krieges abw\u00e4gen und \u00fcber angemessene Reaktionen nachdenken, in dem Wissen, dass diese angepasst werden m\u00fcssen, wenn die Bedingungen sich \u00e4ndern. Zudem m\u00fcssen sie koh\u00e4rent die kombinierten Folgen ihrer eigenen Ma\u00dfnahmen abw\u00e4gen, von Sanktionen gegen Russland bis hin zu Subventionen und Transfers an die eigenen B\u00fcrger. Das versuchen wir in diesem Policy Brief zu tun, mit Fokus auf die makro\u00f6konomischen Aspekte, die f\u00fcr Europa relevant sind. <\/p>\n\n\n\n
Wir beginnen mit einer Untersuchung der potentiellen Folgen des Krieges. Wir betrachten die verschiedenen Kan\u00e4le, \u00fcber die er makro\u00f6konomische Perspektiven beeinflusst. Dabei zeigt sich, dass, obwohl Nachfrage-, Finanz- und Wohlstandskan\u00e4le sowie direkte Auswirkungen des Krieges auf den Haushalt eine Rolle spielen \u2013 durch erh\u00f6hte Verteidigungsausgaben und Kosten f\u00fcr den Schutz von Fl\u00fcchtlingen \u2013, die Folgen des Krieges auf Europa voraussichtlich am deutlichsten an Energiepreisen und in geringerem Ma\u00dfe an Lebensmittelpreisen zu sp\u00fcren sein werden.<\/p>\n\n\n\n
Dann diskutieren wir die Faktoren, die wahrscheinlich die Entwicklung der Energiepreise bestimmen werden. Die Entwicklung h\u00e4ngt sowohl von den russischen Ma\u00dfnahmen ab, selbst wenn keine Sanktionen verh\u00e4ngt werden, als auch vom Effekt potentieller Sanktionen auf russisches Verhalten. Dabei muss zwischen \u00d6l (und Kohle) einerseits und Gas andererseits unterschieden werden. F\u00fcr \u00d6l und Kohle ist Russland quasi ein Preisnehmer auf einem kompetitiven Weltmarkt. Die Nachfragekurve ist sehr elastisch. F\u00fcr Gas ist der Markt der EU-Markt, da der Handel auf eine spezifische Infrastruktur angewiesen ist: die Nachfrage ist eher unelastisch und Russland kann als quasi-Monopolist betrachtet werden. <\/p>\n\n\n\n Die Folgen des Krieges auf Europa werden voraussichtlich am deutlichsten an Energiepreisen und in geringerem Ma\u00dfe an Lebensmittelpreisen zu sp\u00fcren sein.<\/p>Olivier Blanchard und Jean Pisani-Ferry<\/cite><\/blockquote><\/figure>\n\n\n\n Das hat Folgen unterschiedliche Konsequenzen, sowohl auf das zu erwartende Verhalten Russlands als auch auf die Wirksamkeit von Sanktionen, zum Beispiel Strafz\u00f6lle auf die russischen Exporte. In Anbetracht der technischen Sachzw\u00e4nge ist ein vollst\u00e4ndiges Gas-Embargo nicht umsetzbar. Strafz\u00f6lle dagegen sind umsetzbar, sie w\u00e4ren effektiv und sollten in Betracht gezogen werden, trotz der vermutlich starken Effekte auf die Verbraucherpreise.<\/p>\n\n\n\n