{"id":452,"date":"2022-04-28T17:09:41","date_gmt":"2022-04-28T17:09:41","guid":{"rendered":"https:\/\/legrandcontinent.eu\/dee\/2022\/04\/28\/wirtschaftspolitik-im-krieg\/"},"modified":"2025-02-19T11:20:34","modified_gmt":"2025-02-19T11:20:34","slug":"wirtschaftspolitik-im-krieg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/legrandcontinent.eu\/de\/2022\/04\/28\/wirtschaftspolitik-im-krieg\/","title":{"rendered":"Wirtschaftspolitik im Krieg"},"content":{"rendered":"\n<p>Niemand kann zuverl\u00e4ssig voraussagen, wie sich der Krieg in der Ukraine entwickeln wird und was seine geopolitischen Konsequenzen \u00fcber die n\u00e4chsten Monate, geschweige denn Jahre&nbsp; sein werden. Und dennoch m\u00fcssen politische Entscheidungstr\u00e4ger die Folgen des Krieges abw\u00e4gen und \u00fcber&nbsp; angemessene Reaktionen nachdenken, in dem Wissen, dass diese angepasst werden m\u00fcssen, wenn die Bedingungen sich \u00e4ndern. Zudem m\u00fcssen sie koh\u00e4rent die kombinierten Folgen ihrer eigenen Ma\u00dfnahmen abw\u00e4gen, von Sanktionen gegen Russland bis hin zu Subventionen und Transfers an die eigenen B\u00fcrger. Das versuchen wir in diesem Policy Brief zu tun, mit Fokus auf die makro\u00f6konomischen Aspekte, die f\u00fcr Europa relevant sind.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Wir beginnen mit einer Untersuchung der potentiellen Folgen des Krieges. Wir betrachten die verschiedenen Kan\u00e4le, \u00fcber die er makro\u00f6konomische Perspektiven beeinflusst. Dabei zeigt sich, dass, obwohl Nachfrage-, Finanz- und Wohlstandskan\u00e4le sowie direkte Auswirkungen des Krieges auf den Haushalt eine Rolle spielen \u2013 durch erh\u00f6hte Verteidigungsausgaben und Kosten f\u00fcr den Schutz von Fl\u00fcchtlingen \u2013, die Folgen des Krieges auf Europa voraussichtlich am deutlichsten an Energiepreisen und in geringerem Ma\u00dfe an Lebensmittelpreisen zu sp\u00fcren sein werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann diskutieren wir die Faktoren, die wahrscheinlich die Entwicklung der Energiepreise bestimmen werden. Die Entwicklung h\u00e4ngt sowohl von den russischen Ma\u00dfnahmen ab, selbst wenn keine Sanktionen verh\u00e4ngt werden, als auch vom Effekt potentieller Sanktionen auf russisches Verhalten. Dabei muss zwischen \u00d6l (und Kohle) einerseits und Gas andererseits unterschieden werden. F\u00fcr \u00d6l und Kohle ist Russland quasi ein Preisnehmer auf einem kompetitiven Weltmarkt. Die Nachfragekurve ist sehr elastisch. F\u00fcr Gas ist der Markt der EU-Markt, da der Handel auf eine spezifische Infrastruktur angewiesen ist: die Nachfrage ist eher unelastisch und Russland kann als quasi-Monopolist betrachtet werden. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-pullquote\"><blockquote><p>Die Folgen des Krieges auf Europa werden voraussichtlich am deutlichsten an Energiepreisen und in geringerem Ma\u00dfe an Lebensmittelpreisen zu sp\u00fcren sein.<\/p><cite>Olivier Blanchard und Jean Pisani-Ferry<\/cite><\/blockquote><\/figure>\n\n\n\n<p>Das hat Folgen unterschiedliche Konsequenzen, sowohl auf das zu erwartende Verhalten Russlands als auch auf die Wirksamkeit von Sanktionen, zum Beispiel Strafz\u00f6lle auf die russischen Exporte.  In Anbetracht der technischen Sachzw\u00e4nge ist ein vollst\u00e4ndiges Gas-Embargo nicht umsetzbar. Strafz\u00f6lle dagegen sind umsetzbar, sie w\u00e4ren effektiv und sollten in Betracht gezogen werden, trotz der vermutlich starken Effekte auf die Verbraucherpreise.<\/p>\n\n\n\n<p>Unsere Arbeitshypothese in den weiteren Abschnitten lautet, dass die Energiepreise verglichen zu den Vorkriegsniveaus vorraussichtlich steigen werden, wobei hohe Ungewissheit \u00fcber das Ausma\u00df dieses Anstiegs besteht. Bislang haben beide Seiten&nbsp; den \u00d6l- und Gashandel de facto vor den Auswirkungen des Konflikts abgeschirmt&nbsp;<span class='whitespace-nowrap'><span id='easy-footnote-1-452' class='easy-footnote-margin-adjust'><\/span><span class='easy-footnote'><a href='https:\/\/legrandcontinent.eu\/de\/2022\/04\/28\/wirtschaftspolitik-im-krieg\/#easy-footnote-bottom-1-452' title=' Zum Zeitpunkt, da dieser Text f\u00fcr die Publikation vorbereitet wird, hat Russland den Stopp von Gaslieferungen nach Polen und Bulgarien verk\u00fcndet.'><sup>1<\/sup><\/a><\/span><\/span>. Die starken Schwankungen auf dem \u00d6l- und noch mehr auf dem Gasmarkt sind durch Erwartungen des russischen Handelns und der Sanktionen bedingt. Doch das \u201cGleichgewicht des Energieschreckens\u201d ist prek\u00e4r und keinesfalls selbstverst\u00e4ndlich.<\/p>\n\n\n\n<p>Anschlie\u00dfend untersuchen wir die Implikationen des Krieges f\u00fcr die europ\u00e4ische Fiskal- und Geldpolitik.<br><br>Abgesehen von den verschiedenen Ausgabenposten &#8211; vom Verteidigungssektor \u00fcber Ausgaben f\u00fcr Gefl\u00fcchtete bis hin zur notwendigen Anpassung der Energieinfrastruktur an ein ver\u00e4ndertes Energieangebot &#8211; ist die zentrale fiskalpolitische Frage, ob und wie ein Teil der Realeinkommensverluste der Haushalte ausgeglichen werden kann, wenn die Lebensmittel- und Energiepreise steigen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-pullquote\"><blockquote><p>Die starken Schwankungen auf dem \u00d6l- und noch mehr auf dem Gasmarkt sind durch Erwartungen des russischen Handelns und der Sanktionen bedingt. Doch das \u201cGleichgewicht des Energieschreckens\u201d ist prek\u00e4r und keinesfalls selbstverst\u00e4ndlich.<\/p><cite>Olivier Blanchard et Jean Pisani-Ferry<\/cite><\/blockquote><\/figure>\n\n\n\n<p> Dabei geht es vor allem um zwei Fragen. Die erste ist, wie man das am besten umsetzt: durch Subventionen, Transfers oder Preisregulation. Die Herausforderung dabei ist, abzuw\u00e4gen wie die Kombination solcher Ma\u00dfnahmen mit Embargos oder Strafz\u00f6llen zusammenwirkt und die Gesamteffekte der Sanktionen, den Preis f\u00fcr Energieimporte sowie die Folgen f\u00fcr die Inflation bedingt. Die zweite Frage ist, ob diese Ma\u00dfnahmen, wenn sie denn ergriffen werden, durch Steuern oder durch Schulden finanziert werden sollen. Es gibt ein starkes politisches Argument daf\u00fcr, eine ausnahmsweise \u201cKriegs\u201dsteuer zu erheben. Allerdings&nbsp; d\u00fcrften der Verlust von Realeinkommen durch h\u00f6here Importpreise und die mit dem Krieg verbundene Unsicherheit zu eine schw\u00e4chere gesamtwirtschaftliche Nachfrage mit sich bringen; <em>deficit spending <\/em>k\u00f6nnte notwendig sein um zu stabilisieren oder einen Produktionsr\u00fcckgang zumindest zu begrenzen. Selbst wenn die Staatsverschuldung dadurch steigt, wird sie tragbar bleiben.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Was die Geldpolitik betrifft, so muss die Standardantwort auf einen Anstieg von Energie- oder Nahrungsmittelpreisen \u2013 Abfederung der Erstrundeneffekte und Sparma\u00dfnahmen zur Begrenzung weiterer Auswirkungen \u2013 neu bedacht werden. Einerseits tritt die zus\u00e4tzliche Inflation zu einer bereits hohen Inflation hinzu, dadurch steigt das Risiko einer Entkoppelung von Inflationserwartungen. Andererseits ist es trotz fiskalischer Unterst\u00fctzung wahrscheinlich, dass die gesamtwirtschaftliche Nachfrage schwach ist und die Inflation nach unten dr\u00fcckt. Der erste Effekt spricht f\u00fcr mehr, der zweite f\u00fcr weniger Regulierung. Tats\u00e4chlich gleichen sich die beiden bislang gegenseitig ungef\u00e4hr aus, was darauf hindeutet, dass die Geldpolitik ungef\u00e4hr auf dem geplanten Vorkriegskurs bleiben k\u00f6nnte, jedoch bereit sein muss in die eine oder andere Richtung zu adjustieren.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Im derzeitigen Kontext besteht eine wichtige und ungew\u00f6hnliche Wechselwirkung zwischen Fiskal- und Geldpolitik. Je mehr die Fiskalpolitik die Reall\u00f6hne der Arbeitnehmer protegiert, desto schw\u00e4cher wird die Nachfrage nach Lohnerh\u00f6hungen in zuk\u00fcnftigen Runden sein. Je glaubw\u00fcrdiger eine Abschw\u00e4chung der Inflation wird, desto weniger muss die EZB m\u00f6glicherweise anziehen um geringere Inflation zu erzielen. In Folge dessen k\u00f6nnen h\u00f6here Defizite zu geringeren Kosten im Kampf gegen die Inflation f\u00fchren.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-pullquote\"><blockquote><p>Im derzeitigen Kontext besteht eine wichtige und ungew\u00f6hnliche Wechselwirkung zwischen Fiskal- und Geldpolitik. <\/p><cite>Olivier Blanchard und Jean Pisani-Ferry<\/cite><\/blockquote><\/figure>\n\n\n\n<p>Eine letzte und interessante Frage ist ob diese mildernde Rolle der fiskalpolitischen Unterst\u00fctzung explizit in Tarifverhandlungen ber\u00fccksichtigt werden kann. W\u00e4hrend der Pandemie haben staatlich finanzierte Freistellungsprogramme und Unterst\u00fctzungsprogramme f\u00fcr Unternehmen Einkommensverluste ausgeglichen und sich dabei als als wirksames und kosteneffizientes Mittel erwiesen, um wirtschaftliche und soziale St\u00f6rungen zu minimieren. Es spricht einiges f\u00fcr einen trilateralen Dialog zwischen Regierungen, Arbeitgebern und Arbeitnehmern und idealerweise f\u00fcr ein quid pro quo von Lohn- und Preiszur\u00fcckhaltung im Gegenzug f\u00fcr erhebliche fiskalpolitische Unterst\u00fctzung.<\/p>\n\n\n\n<p>Unser Policy Brief ist wie folgt organisiert: Wir beginnen in Abschnitt 1 mit der Betrachtung jener Kan\u00e4le, \u00fcber die sich der Krieg auf die EU-Wirtschaft auswirken wird. In Abschnitt 2 untersuchen wir die Faktoren, die wahrscheinlich die Entwicklung der Energiepreise bestimmen werden. In Abschnitt 3 er\u00f6rtern wir die Auswirkungen auf Produktion und Inflation in der Europ\u00e4ischen Union und in Abschnitt 4 die Auswirkungen auf Steuer- und Geldpolitik der EU. In Abschnitt 5 ziehen wir Schlussfolgerungen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">1<strong>&nbsp;&nbsp;&nbsp; Der wirtschaftliche Effekt des Krieges<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Die Beschaffenheit der Schocks&nbsp;<\/h3>\n\n\n\n<p>Unsere Arbeitshypothese lautet, dass der Konflikt, der mit Russlands Invasion am 24. Februar begann, nicht kurzfristig gel\u00f6st werden wird. In den n\u00e4chsten 12 Monaten rechnen wir mit einer Pattsituation oder einer russische Besetzung mit ukrainischem Widerstand oder einem Waffenstillstand gefolgt von erbitterten Verhandlungen. Wir gehen davon aus, dass es l\u00e4nger dauern wird, eine dauerhafte L\u00f6sung zu finden.<\/p>\n\n\n\n<p>Vor diesem Hintergrund stellen wir die folgenden Annahmen auf:&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Der Versto\u00df gegen Grunds\u00e4tze der Vereinten Nationen (die auf dem europ\u00e4ischen Kontinent seit einem Dreivierteljahrhundert eingehalten worden waren) wird weiterhin den Horizont tr\u00fcben und das Vertrauen \u00fcber die direkten Effekte des Krieges hinaus beeintr\u00e4chtigen.&nbsp;&nbsp;<\/li>\n\n\n\n<li>Die meisten ukrainischen Fl\u00fcchtlinge werden in ihre Heimatorte zur\u00fcckkehren, doch erst nach und nach, da die weitreichende Zerst\u00f6rung ihre Heimkehr behindern wird.&nbsp;<\/li>\n\n\n\n<li>Die Krise wird einen dauerhaften Anstieg der Europ\u00e4ischen Verteidigungsausgaben nach sich ziehen.&nbsp;<\/li>\n\n\n\n<li>Auf den Fersen der Pandemie folgend, wird dieser neue Schock globale Unternehmen dazu treiben, ihre Abh\u00e4ngigkeit von weit verzweigten Versorgungsketten und <em>just-in-time-<\/em>Lieferpl\u00e4nen zu \u00fcberdenken.&nbsp;<\/li>\n\n\n\n<li>Der Krieg wird ukrainische (und m\u00f6glicherweise russische) landwirtschaftliche Ernten und Exporte beeintr\u00e4chtigen, das weltweite Angebot verringern und und die Weltmarktpreise f\u00fcr Nahrungsmittel erh\u00f6hen.<\/li>\n\n\n\n<li>Die Europ\u00e4ische Union wird \u00fcber ihre unmittelbare Reaktion auf den Krieg hinaus ihre Abh\u00e4ngigkeit von russischer Energie durch alternative Bezugsquellen und einen schnelleren \u00dcbergang zu erneuerbaren Energien baldm\u00f6glichst verringern und schlie\u00dflich ganz aufgeben.<\/li>\n\n\n\n<li>Die Reaktionen der EU auf diesen neuen Kontext, werden sie veranlassen sich auf europ\u00e4ische <em>public goods <\/em>zu konzentrieren und neue Instrumente zu entwickeln, um diese zu finanzieren und die Solidarit\u00e4t unter den Mitgliedstaaten zu st\u00e4rken.<\/li>\n\n\n\n<li>Sanktionen werden andauern oder eskalieren und eine substantielle Abnahme der russischen \u00d6l- und Gasexporte bedingen, sei es durch eine Entscheidung der EU oder durch eine Entscheidung der russischen Regierung solche Exporte zu beschr\u00e4nken. Dies ist sowohl in geopolitischer als auch in wirtschaftlicher Hinsicht ein wichtiges Thema, auf das wir im n\u00e4chsten Abschnitt n\u00e4her eingehen werden.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Eine entscheidende Frage ist, ob die Europ\u00e4ische Union weiterhin einheitlich auf eine sich entwickelnde Krise reagieren wird. W\u00e4hrend die anf\u00e4ngliche gemeinsame Reaktion stark war, haben sich innerhalb der EU Meinungsverschiedenheiten \u00fcber die Angemessenheit von Sanktionen, insbesondere im Energiebereich, herausgebildet. Die Energiepolitik ist weitgehend ein nationales Vorrecht, und die Union verf\u00fcgt nicht \u00fcber die rechtlichen Mittel, um Differenzen durch eine Abstimmung mit qualifizierter Mehrheit beizulegen. Unsere Arbeitshypothese ist, dass die Krise letztendlich gemeinsame Reaktionen ausl\u00f6sen und die Solidarit\u00e4t unter den Mitgliedsstaaten st\u00e4rken wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Tabelle 1 fasst unsere Annahmen zusammen, unterschieden nach kurzfristigen und l\u00e4ngerfristigen Effekten.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-wp-embed is-provider-datawrapper wp-block-embed-datawrapper\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<iframe class=\"wp-embedded-content\" sandbox=\"allow-scripts\" security=\"restricted\" title=\"Zentrale Annahmen \u00fcber die Folgen des Russland-Ukraine-Krieges auf die Europ\u00e4ische Union\" src=\"https:\/\/datawrapper.dwcdn.net\/PbjmS\/2\/#?secret=yEnrVkEKsT\" data-secret=\"yEnrVkEKsT\" scrolling=\"no\" frameborder=\"0\" height=\"670\"><\/iframe>\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<p>Im vorliegenden Policy Brief konzentrieren wir uns auf die kurzfristigen Folgen. Wir planen in einem sp\u00e4teren Paper auf die langfristigen Effekte zur\u00fcckzukommen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die meisten der aufgestellten Hypothesen&nbsp; sind klar, doch manche bed\u00fcrfen einer genaueren Betrachtung.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Exporte, ADI und Finanzbeziehungen<\/h3>\n\n\n\n<p>Die Exporte nach Russland sind deutlich zur\u00fcckgegangen und werden in Folge einer Kombination aus EU-Sanktionen, von Russland erhobenen Restriktionen und Lieferproblemen wahrscheinlich weiter sinken. Anekdotische Evidenz deutet darauf hin, dass europ\u00e4ische Unternehmen auch ohne gesetzliche Beschr\u00e4nkungen bereits jetzt zur\u00fcckhaltend sind, mit Russland zu handeln, da sie Probleme in der rechtlichen Abwicklung und bei der Bezahlung f\u00fcrchten. Laut <a href=\"https:\/\/webgate.ec.europa.eu\/isdb_results\/factsheets\/country\/details_russia_en.pdf\">EU Handelsstatistik<\/a> lagen die G\u00fcterexporte nach Russland im Jahr 2021 bei 89 Milliarden Euro; ein Exportstopp &#8211; als maximalistische Annahme \u2013 w\u00fcrde bei sonst gleichbleibenden Bedingungen eine Abnahme der Gesamtnachfrage nach EU-G\u00fctern von 0,6 % des BIP 2019&nbsp;<span class='whitespace-nowrap'><span id='easy-footnote-2-452' class='easy-footnote-margin-adjust'><\/span><span class='easy-footnote'><a href='https:\/\/legrandcontinent.eu\/de\/2022\/04\/28\/wirtschaftspolitik-im-krieg\/#easy-footnote-bottom-2-452' title='Das nominale BIP der EU-27 lag im Jahr 2019 bei 14.017 Milliarden Euro. Quelle: Eurostat.'><sup>2<\/sup><\/a><\/span><\/span> bedeuten. Eine Reduktion der G\u00fcterexporte um 50% w\u00fcrde die gesamtwirtschaftliche Nachfrage um 0,3 % des BIP&nbsp; verringern.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Europ\u00e4ische Union ist auch f\u00fcr drei Viertel der ausl\u00e4ndischen Direktinvestitionen in Russland verantwortlich, was Ende 2019 insgesamt mehr als 300 Milliarden Euro entsprach&nbsp;<span class='whitespace-nowrap'><span id='easy-footnote-3-452' class='easy-footnote-margin-adjust'><\/span><span class='easy-footnote'><a href='https:\/\/legrandcontinent.eu\/de\/2022\/04\/28\/wirtschaftspolitik-im-krieg\/#easy-footnote-bottom-3-452' title='Europ\u00e4ische Kommission, &lt;a href=&quot;https:\/\/ec.europa.eu\/trade\/policy\/countries-and-regions\/countries\/russia\/#:~:text=In%202019%2C%20the%20EU%20was,estimated%20at%20%E2%82%AC136%20billion&quot;&gt;&lt;u&gt;Russia fact sheet&lt;\/u&gt;&lt;\/a&gt;.'><sup>3<\/sup><\/a><\/span><\/span>. Nehmen wir einen&nbsp; Verlust des halben Wertes dieser Investitionen an, so w\u00fcrde dies etwa 1 Prozent des BIP der EU und weniger als 2 Prozent ihres Bestands an ausl\u00e4ndischen Direktinvestitionen ausmachen. Obwohl ein solcher Verlust f\u00fcr verschiedene Banken und Unternehmen von Bedeutung ist, kann ihm keine gro\u00dfe makro\u00f6konomische Bedeutung beigemessen werden.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend der globalen Finanzkrise 2008 spielten die Verbindungen zwischen den Finanzinstituten eine wesentliche Rolle, da der Ausfall eines Instituts den Ausfall eines Teils seiner Gl\u00e4ubiger ausl\u00f6ste. Obwohl Russland sichtbare Anstrengungen unternommen hat, seinen externen Verpflichtungen nachzukommen und die Wirtschaft zu stabilisieren, ist ein Zahlungsausfall der russischen Regierung nach wie vor m\u00f6glich. Die Zeichen deuten jedoch darauf hin, dass dies vorraussichtlich nicht zu gr\u00f6\u00dferen Problemen f\u00fcr das EU-Finanzsystem f\u00fchren wird. Tochtergesellschaften russischer Banken wurden bereits geschlossen und abgewickelt, ohne dass das Finanzsystem in Gefahr geriet.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-pullquote\"><blockquote><p>Obwohl Russland sichtbare Anstrengungen unternommen hat, seinen externen Verpflichtungen nachzukommen und die Wirtschaft zu stabilisieren, ist ein Zahlungsausfall der russischen Regierung nach wie vor m\u00f6glich.<\/p><cite>Olivier Blanchard und Jean Pisani-Ferry<\/cite><\/blockquote><\/figure>\n\n\n\n<p>Abgesehen von Energie und Lebensmitteln sind die Importe aus Russland und der Ukraine von geringer wirtschaftlicher Bedeutung. Ihre Unterbrechung kann jedoch zur umfassenderen Unterbrechung der Lieferketten aufgrund der Pandemie hinzukommen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Gefl\u00fcchtete<\/h3>\n\n\n\n<p>Zum Zeitpunkt des Verfassens dieses Texte, betr\u00e4gt der Zustrom von Gefl\u00fcchteten 4,6 Milliarden Menschen (7,1 Millionen <em>displaced persons <\/em>in der Ukraine nicht mit einberechnet), \u00fcberwiegend Frauen und Kinder (UNHCR 2022)&nbsp;<span class='whitespace-nowrap'><span id='easy-footnote-4-452' class='easy-footnote-margin-adjust'><\/span><span class='easy-footnote'><a href='https:\/\/legrandcontinent.eu\/de\/2022\/04\/28\/wirtschaftspolitik-im-krieg\/#easy-footnote-bottom-4-452' title=' Die Verweise im Text beziehen sich auf folgende Quellen: &lt;\/p&gt;\n\n\n\n&lt;ul class=&quot;wp-block-list&quot;&gt;\n&lt;li&gt;Bachmann, R., D. Baqaee, C. Bayer, M. Kuhn, A. L\u00f6schel, B. Moll, A. Peichl, K. Pittel, and M. Schularick. 2022. &lt;em&gt;What if&amp;nbsp;? The Economic Effects for Germany of a Stop of Energy Imports from Russia&lt;\/em&gt;. ECONtribute Policy Brief 028, March 7, &lt;a href=&quot;https:\/\/www.econtribute.de\/RePEc\/ajk\/ajkpbs\/ECONtribute_PB_028_2022.pdf&quot; target=&quot;_blank&quot; rel=&quot;noreferrer noopener&quot;&gt;https:\/\/www.econtribute.&lt;\/a&gt; &lt;a href=&quot;https:\/\/www.econtribute.de\/RePEc\/ajk\/ajkpbs\/ECONtribute_PB_028_2022.pdf&quot;&gt;de\/RePEc\/ajk\/ajkpbs\/ECONtribute_PB_028_2022.pdf&lt;\/a&gt;.&lt;\/li&gt;\n\n\n\n&lt;li&gt;Baqaee, D., and B. Moll. 2022. &lt;em&gt;What if Germany is cut off from Russian oil and gas&amp;nbsp;? &lt;\/em&gt;Markus\u2019 Academy, April 7, &lt;a href=&quot;https:\/\/bcf.princeton.edu\/events\/david-baquee-and-ben-moll-on-what-if-germany-is-cut-off-from-russian-oil-and-gas\/&quot; target=&quot;_blank&quot; rel=&quot;noreferrer noopener&quot;&gt;https:\/\/bcf.princeton.edu\/events\/david-baquee-and-ben-moll-on-&lt;\/a&gt; &lt;a href=&quot;https:\/\/bcf.princeton.edu\/events\/david-baquee-and-ben-moll-on-what-if-germany-is-cut-off-from-russian-oil-and-gas\/&quot;&gt;what-if-germany-is-cut-off-from-russian-oil-and-gas\/&lt;\/a&gt;.&lt;\/li&gt;\n\n\n\n&lt;li&gt;Blanchard, Olivier, and Jordi Gal\u00ed. 2007. Real wage rigidities and the New Keynesian model. &lt;em&gt;Journal of Money, Credit, and Banking &lt;\/em&gt;39&amp;nbsp;: 35\u201365.&lt;\/li&gt;\n\n\n\n&lt;li&gt;Blanchard, Olivier. 2023. &lt;em&gt;Fiscal policy under low interest rates&lt;\/em&gt;. Forthcoming. MIT Press. Pre-publication version available at &lt;a href=&quot;https:\/\/fiscal-policy-under-low-interest-rates.pubpub.org\/&quot; target=&quot;_blank&quot; rel=&quot;noreferrer noopener&quot;&gt;https:\/\/fiscal-policy-under-low-interest-&lt;\/a&gt; &lt;a href=&quot;https:\/\/fiscal-policy-under-low-interest-rates.pubpub.org\/&quot;&gt;rates.pubpub.org\/&lt;\/a&gt;.&lt;\/li&gt;\n\n\n\n&lt;li&gt;Bown, Chad P. 2022. Russia\u2019s war on Ukraine&amp;nbsp;: A sanctions timeline. PIIE RealTime Economic Issues Watch, April 14, &lt;a href=&quot;https:\/\/www.piie.com\/blogs\/realtime-economic-issues-watch\/russias-war-ukraine-sanctions-timeline&quot; target=&quot;_blank&quot; rel=&quot;noreferrer noopener&quot;&gt;https:\/\/www.piie.com\/blogs\/realtime-economic-issues-watch\/&lt;\/a&gt; &lt;a href=&quot;https:\/\/www.piie.com\/blogs\/realtime-economic-issues-watch\/russias-war-ukraine-sanctions-timeline&quot;&gt;russias-war-ukraine-sanctions-timeline&lt;\/a&gt;.&lt;\/li&gt;\n\n\n\n&lt;li&gt;BP. 2021. &lt;a href=&quot;https:\/\/www.bp.com\/content\/dam\/bp\/business-sites\/en\/global\/corporate\/pdfs\/energy-economics\/statistical-review\/bp-stats-review-2021-full-report.pdf&quot; target=&quot;_blank&quot; rel=&quot;noreferrer noopener&quot;&gt;Statistical Review of World Energy. London&lt;\/a&gt;.&lt;\/li&gt;\n\n\n\n&lt;li&gt;Darvas, Zsolt. 2022. Bold European Union action is needed to support Ukrainian refugees. Bruegel blog, April 6, &lt;a href=&quot;https:\/\/www.bruegel.org\/2022\/04\/bold-european-union-action-is-needed-to-support-ukrainian-refugees\/&quot; target=&quot;_blank&quot; rel=&quot;noreferrer noopener&quot;&gt;https:\/\/www.bruegel.org\/2022\/04\/bold-european-union-action-&lt;\/a&gt; &lt;a href=&quot;https:\/\/www.bruegel.org\/2022\/04\/bold-european-union-action-is-needed-to-support-ukrainian-refugees\/&quot;&gt;is-needed-to-support-ukrainian-refugees\/&lt;\/a&gt;.&lt;\/li&gt;\n\n\n\n&lt;li&gt;Douenne, Thomas. 2019. Les effets de la fiscalit\u00e9 \u00e9cologique sur le pouvoir d\u2019achat des m\u00e9nages&amp;nbsp;: Simulation de plusieurs sc\u00e9narios de redistribution. Conseil d\u2019analyse \u00e9conomique Focus 030 (March), &lt;a href=&quot;https:\/\/www.cae-eco.fr\/staticfiles\/pdf\/cae-focus030.pdf&quot;&gt;https:\/\/www.cae-eco.fr\/staticfiles\/pdf\/&lt;\/a&gt; &lt;a href=&quot;https:\/\/www.cae-eco.fr\/staticfiles\/pdf\/cae-focus030.pdf&quot; target=&quot;_blank&quot; rel=&quot;noreferrer noopener&quot;&gt;cae-focus030.pdf&lt;\/a&gt;.&lt;\/li&gt;\n\n\n\n&lt;li&gt;ECB (European Central Bank). 2010. Energy markets and the euro area economy.&lt;\/li&gt;\n\n\n\n&lt;li&gt;Occasional paper 113, &lt;a href=&quot;https:\/\/www.ecb.europa.eu\/pub\/pdf\/scpops\/ecbocp113.pdf?4c4cb9ad3dc936175889f2ff40bcabe0&quot; target=&quot;_blank&quot; rel=&quot;noreferrer noopener&quot;&gt;Task Force of the Monetary Policy Committee of the European&lt;\/a&gt; &lt;a href=&quot;https:\/\/www.ecb.europa.eu\/pub\/pdf\/scpops\/ecbocp113.pdf?4c4cb9ad3dc936175889f2ff40bcabe0&quot;&gt;System of Central Banks&lt;\/a&gt;.&lt;\/li&gt;\n\n\n\n&lt;li&gt;ECB (European Central Bank). 2022a. Macroeconomic projections for the euro area, &lt;a href=&quot;https:\/\/www.ecb.europa.eu\/pub\/projections\/html\/ecb.projections202203_ecbstaff~44f998dfd7.en.html&quot; target=&quot;_blank&quot; rel=&quot;noreferrer noopener&quot;&gt;https:\/\/www.ecb.europa.eu\/pub\/projections\/html\/ecb.projections202203_&lt;\/a&gt; &lt;a href=&quot;https:\/\/www.ecb.europa.eu\/pub\/projections\/html\/ecb.projections202203_ecbstaff~44f998dfd7.en.html&quot;&gt;ecbstaff~44f998dfd7.en.html&lt;\/a&gt;.&lt;\/li&gt;\n\n\n\n&lt;li&gt;ECB (European Central Bank). 2022b. &lt;a href=&quot;https:\/\/www.ecb.europa.eu\/press\/pr\/date\/2022\/html\/ecb.pr220415~fe6e06f22d.en.html&quot; target=&quot;_blank&quot; rel=&quot;noreferrer noopener&quot;&gt;Survey of Professional Forecasters&lt;\/a&gt;, April 15.&lt;\/li&gt;\n\n\n\n&lt;li&gt;European Commission. 2021. Energy prices&amp;nbsp;: Commission presents a toolbox of measures to tackle exceptional situation and its impacts, &lt;a href=&quot;https:\/\/eur-lex.europa.eu\/legal-content\/EN\/TXT\/PDF\/?uri=CELEX%3A52021DC0660&amp;amp;from=EN&quot; target=&quot;_blank&quot; rel=&quot;noreferrer noopener&quot;&gt;https:\/\/eur-lex.europa.eu\/legal-content\/&lt;\/a&gt; &lt;a href=&quot;https:\/\/eur-lex.europa.eu\/legal-content\/EN\/TXT\/PDF\/?uri=CELEX%3A52021DC0660&amp;amp;from=EN&quot;&gt;EN\/TXT\/PDF\/?uri=CELEX:52021DC0660&amp;amp;from=EN&lt;\/a&gt;.&lt;\/li&gt;\n\n\n\n&lt;li&gt;European Commission. 2022. REPowerEU&amp;nbsp;: Joint European Action for more affordable, secure and sustainable energy. Communication, March 8, &lt;a href=&quot;https:\/\/ec.europa.eu\/commission\/presscorner\/detail\/en\/ip_22_1511&quot; target=&quot;_blank&quot; rel=&quot;noreferrer noopener&quot;&gt;https:\/\/ec.europa.eu\/commission\/&lt;\/a&gt; &lt;a href=&quot;https:\/\/ec.europa.eu\/commission\/presscorner\/detail\/en\/ip_22_1511&quot;&gt;presscorner\/detail\/en\/ip_22_1511&lt;\/a&gt;.&lt;\/li&gt;\n\n\n\n&lt;li&gt;Eurostat. 2022. Extra-EU trade in agricultural goods, &lt;a href=&quot;https:\/\/ec.europa.eu\/eurostat\/statistics-explained\/index.php?title=Extra-EU_trade_in_agricultural_goods&quot;&gt;https:\/\/ec.europa.eu\/eurostat\/&lt;\/a&gt; &lt;a href=&quot;https:\/\/ec.europa.eu\/eurostat\/statistics-explained\/index.php?title=Extra-EU_trade_in_agricultural_goods&quot; target=&quot;_blank&quot; rel=&quot;noreferrer noopener&quot;&gt;statistics-explained\/index.php?title=Extra-EU_trade_in_agricultural_goods&lt;\/a&gt;.&lt;\/li&gt;\n\n\n\n&lt;li&gt;FAO (UN Food and Agriculture Organization). 2022. The importance of Ukraine and the Russian Federation for global agricultural markets and the risks associated with the current conflict (March 16). Rome. &lt;a href=&quot;https:\/\/nam02.safelinks.protection.outlook.com\/?url=https%3A%2F%2Fwww.fao.org%2F3%2Fcb9013en%2Fcb9013en.pdf&amp;amp;data=04%7C01%7CJSchott%40PIIE.COM%7Ce445f7adafb84341ef9308da08142bc7%7C55339d36654f44c1a1df1ed0983fadcd%7C1%7C0%7C637831180009689758%7CUnknown%7CTWFpbGZsb3d8eyJWIjoiMC4wLjAwMDAiLCJQIjoiV2luMzIiLCJBTiI6Ik1haWwiLCJXVCI6Mn0%3D%7C3000&amp;amp;sdata=w1VXaR2vxWLr9R7m6LyBYw9fwtP0u608wAOhYUGmUSM%3D&amp;amp;reserved=0&quot; target=&quot;_blank&quot; rel=&quot;noreferrer noopener&quot;&gt;https:\/\/www.fao.org\/3\/cb9013en\/cb9013en.pdf&lt;\/a&gt;.&lt;\/li&gt;\n\n\n\n&lt;li&gt;German institutes for economic research. 2022. Gemeinschafts-Diagnose 1\/2022 \u201cVon der Pandemie zur Energiekrise\u2014Wirtschaft und Politik im Dauerstress,\u201d &lt;a href=&quot;https:\/\/www.ifw-kiel.de\/fileadmin\/Dateiverwaltung\/IfW-Publications\/-ifw\/Gemeinschaftsdiagnose\/Langfassungen\/gd_2022_1.pdf&quot; target=&quot;_blank&quot; rel=&quot;noreferrer noopener&quot;&gt;https:\/\/www.ifw-kiel.de\/fileadmin\/Dateiverwaltung\/IfW-Publications\/-ifw\/Gemeinschaftsdiagnose\/&lt;\/a&gt; &lt;a href=&quot;https:\/\/www.ifw-kiel.de\/fileadmin\/Dateiverwaltung\/IfW-Publications\/-ifw\/Gemeinschaftsdiagnose\/Langfassungen\/gd_2022_1.pdf&quot;&gt;Langfassungen\/gd_2022_1.pdf&lt;\/a&gt;.&lt;\/li&gt;\n\n\n\n&lt;li&gt;Gouvernement fran\u00e7ais. 2022. Plan de r\u00e9silience \u00e9conomique et sociale, March 16, &lt;a href=&quot;https:\/\/www.gouvernement.fr\/sites\/default\/files\/document\/document\/2022\/03\/dossier_de_presse_-_plan_de_resilience_economique_et_sociale_-_16.03.2022.pdf?v=1647592494&quot;&gt;https:\/\/&lt;\/a&gt; &lt;a href=&quot;https:\/\/www.gouvernement.fr\/sites\/default\/files\/document\/document\/2022\/03\/dossier_de_presse_-_plan_de_resilience_economique_et_sociale_-_16.03.2022.pdf?v=1647592494&quot; target=&quot;_blank&quot; rel=&quot;noreferrer noopener&quot;&gt;www.gouvernement.fr\/sites\/default\/files\/document\/document\/2022\/03\/dossier_de_&lt;\/a&gt; &lt;a href=&quot;https:\/\/www.gouvernement.fr\/sites\/default\/files\/document\/document\/2022\/03\/dossier_de_presse_-_plan_de_resilience_economique_et_sociale_-_16.03.2022.pdf?v=1647592494&quot;&gt;presse_-_plan_de_resilience_economique_et_sociale_-_16.03.2022.pdf?v=1647592494&lt;\/a&gt;.&lt;\/li&gt;\n\n\n\n&lt;li&gt;Gros, Daniel. 2022. Optimal tariff versus optimal sanction&amp;nbsp;: The case of European gas imports from Russia. EUI Policy Brief 2022\/19.&lt;\/li&gt;\n\n\n\n&lt;li&gt;Guardian. 2022. \u201cGermany will stop importing Russian gas \u2018very soon\u2019, says Olaf Scholz,\u201d April 8, &lt;a href=&quot;https:\/\/www.theguardian.com\/world\/2022\/apr\/08\/germany-russian-gas-imports-olaf-scholz-boris-johnson-ukraine&quot; target=&quot;_blank&quot; rel=&quot;noreferrer noopener&quot;&gt;https:\/\/www.theguardian.com\/world\/2022\/apr\/08\/germany-russian-gas-&lt;\/a&gt; &lt;a href=&quot;https:\/\/www.theguardian.com\/world\/2022\/apr\/08\/germany-russian-gas-imports-olaf-scholz-boris-johnson-ukraine&quot;&gt;imports-olaf-scholz-boris-johnson-ukraine&lt;\/a&gt;.&lt;\/li&gt;\n\n\n\n&lt;li&gt;Hamilton, James. 2022. Sanctions, energy prices, and the global economy. Markus\u2019 Academy, March 17, &lt;a href=&quot;https:\/\/economics.princeton.edu\/events\/james-hamilton-on-sanctions-energy-prices-and-the-global-economy&quot; target=&quot;_blank&quot; rel=&quot;noreferrer noopener&quot;&gt;https:\/\/economics.princeton.edu\/events\/james-hamilton-on-&lt;\/a&gt; &lt;a href=&quot;https:\/\/economics.princeton.edu\/events\/james-hamilton-on-sanctions-energy-prices-and-the-global-economy&quot;&gt;sanctions-energy-prices-and-the-global-economy&lt;\/a&gt;.&lt;\/li&gt;\n\n\n\n&lt;li&gt;IEA (International Energy Agency). 2022a. How Europe can cut natural gas imports from Russia significantly within a year, March 3, &lt;a href=&quot;https:\/\/www.iea.org\/news\/how-europe-can-cut-natural-gas-imports-from-russia-significantly-within-a-year&quot; target=&quot;_blank&quot; rel=&quot;noreferrer noopener&quot;&gt;https:\/\/www.iea.org\/news\/how-europe-can-&lt;\/a&gt; &lt;a href=&quot;https:\/\/www.iea.org\/news\/how-europe-can-cut-natural-gas-imports-from-russia-significantly-within-a-year&quot;&gt;cut-natural-gas-imports-from-russia-significantly-within-a-year&lt;\/a&gt;.&lt;\/li&gt;\n\n\n\n&lt;li&gt;IEA (International Energy Agency). 2022b. A 10-point plan to reduce the European Union\u2019s reliance on Russian natural gas, &lt;a href=&quot;https:\/\/www.iea.org\/reports\/a-10-point-plan-to-reduce-the-european-unions-reliance-on-russian-natural-gas&quot; target=&quot;_blank&quot; rel=&quot;noreferrer noopener&quot;&gt;https:\/\/www.iea.org\/reports\/a-10-point-plan-to-&lt;\/a&gt; &lt;a href=&quot;https:\/\/www.iea.org\/reports\/a-10-point-plan-to-reduce-the-european-unions-reliance-on-russian-natural-gas&quot;&gt;reduce-the-european-unions-reliance-on-russian-natural-gas&lt;\/a&gt;.&lt;\/li&gt;\n\n\n\n&lt;li&gt;Lane, Philip R. 2022. The euro area outlook and monetary policy, speech, March 17, &lt;a href=&quot;https:\/\/www.ecb.europa.eu\/press\/key\/date\/2022\/html\/ecb.sp220317_1~a7d800c4b6.en.pdf?08d189a3cd47024025a0dc9731383432&quot;&gt;https:\/\/&lt;\/a&gt; &lt;a href=&quot;https:\/\/www.ecb.europa.eu\/press\/key\/date\/2022\/html\/ecb.sp220317_1~a7d800c4b6.en.pdf?08d189a3cd47024025a0dc9731383432&quot;&gt;www.ecb.europa.eu\/press\/key\/date\/2022\/html\/ecb.sp220317_1~a7d800c4b6.en.pdf?0&lt;\/a&gt; &lt;a href=&quot;https:\/\/www.ecb.europa.eu\/press\/key\/date\/2022\/html\/ecb.sp220317_1~a7d800c4b6.en.pdf?08d189a3cd47024025a0dc9731383432&quot; target=&quot;_blank&quot; rel=&quot;noreferrer noopener&quot;&gt;8d189a3cd47024025a0dc9731383432&lt;\/a&gt;.&lt;\/li&gt;\n\n\n\n&lt;li&gt;Macrotrends. 2022. Wheat prices\u201340 year historical chart, April 19, &lt;a href=&quot;https:\/\/www.macrotrends.net\/2534\/wheat-prices-historical-chart-data&quot;&gt;https:\/\/www.&lt;\/a&gt; &lt;a href=&quot;https:\/\/www.macrotrends.net\/2534\/wheat-prices-historical-chart-data&quot; target=&quot;_blank&quot; rel=&quot;noreferrer noopener&quot;&gt;macrotrends.net\/2534\/wheat-prices-historical-chart-data&lt;\/a&gt;.&lt;\/li&gt;\n\n\n\n&lt;li&gt;McWilliams, Ben, Giovanni Sgaravatti, Simone Tagliapietra, Georg Zachmann. 2022. Can Europe manage if Russian oil and gas are cut off&amp;nbsp;?, Bruegel, March 17, &lt;a href=&quot;https:\/\/www.bruegel.org\/2022\/03\/can-europe-manage-if-russian-oil-and-coal-are-cut-off&quot; target=&quot;_blank&quot; rel=&quot;noreferrer noopener&quot;&gt;https:\/\/www.&lt;\/a&gt; &lt;a href=&quot;https:\/\/www.bruegel.org\/2022\/03\/can-europe-manage-if-russian-oil-and-coal-are-cut-off&quot;&gt;bruegel.org\/2022\/03\/can-europe-manage-if-russian-oil-and-coal-are-cut-off&lt;\/a&gt;.&lt;\/li&gt;\n\n\n\n&lt;li&gt;Moll, Ben. 2022. Online appendix to Bachmann et al. (2022), &lt;a href=&quot;https:\/\/benjaminmoll.com\/RussianGas_Appendix\/&quot; target=&quot;_blank&quot; rel=&quot;noreferrer noopener&quot;&gt;https:\/\/benjaminmoll.com\/&lt;\/a&gt; &lt;a href=&quot;https:\/\/benjaminmoll.com\/RussianGas_Appendix\/&quot;&gt;RussianGas_Appendix\/&lt;\/a&gt;.&lt;\/li&gt;\n\n\n\n&lt;li&gt;Pisani-Ferry, Jean. 2022. Europe\u2019s economic response to the Russia-Ukraine war will redefine its priorities and future. RealTime Economic Issues Watch blog, March 10, Peterson Institute for International Economics, &lt;a href=&quot;https:\/\/www.piie.com\/blogs\/realtime-economic-issues-watch\/europes-economic-response-russia-ukraine-war-will-redefine-its&quot;&gt;https:\/\/www.piie.com\/blogs\/&lt;\/a&gt; &lt;a href=&quot;https:\/\/www.piie.com\/blogs\/realtime-economic-issues-watch\/europes-economic-response-russia-ukraine-war-will-redefine-its&quot; target=&quot;_blank&quot; rel=&quot;noreferrer noopener&quot;&gt;realtime-economic-issues-watch\/europes-economic-response-russia-ukraine-war-&lt;\/a&gt; &lt;a href=&quot;https:\/\/www.piie.com\/blogs\/realtime-economic-issues-watch\/europes-economic-response-russia-ukraine-war-will-redefine-its&quot;&gt;will-redefine-its&lt;\/a&gt;.&lt;\/li&gt;\n\n\n\n&lt;li&gt;Ritchie, Hannah. 2022. How could the war in Ukraine impact global food supplies&amp;nbsp;? Our World in Data, March 24, &lt;a href=&quot;https:\/\/ourworldindata.org\/ukraine-russia-food&quot; target=&quot;_blank&quot; rel=&quot;noreferrer noopener&quot;&gt;https:\/\/ourworldindata.org\/ukraine-russia-food&lt;\/a&gt;.&lt;\/li&gt;\n\n\n\n&lt;li&gt;Schnabel, Isabel. 2022. Managing policy trade-offs, April 2, &lt;a href=&quot;https:\/\/www.ecb.europa.eu\/press\/key\/date\/2022\/html\/ecb.sp220402~9af4336c23.en.html&quot;&gt;https:\/\/www.ecb.europa.eu\/&lt;\/a&gt; &lt;a href=&quot;https:\/\/www.ecb.europa.eu\/press\/key\/date\/2022\/html\/ecb.sp220402~9af4336c23.en.html&quot; target=&quot;_blank&quot; rel=&quot;noreferrer noopener&quot;&gt;press\/key\/date\/2022\/html\/ecb.sp220402~9af4336c23.en.html&lt;\/a&gt;.&lt;\/li&gt;\n\n\n\n&lt;li&gt;Sgaravatti, G., S. Tagliapietra, and G. Zachmann. 2022. National policies to shield consumers from rising energy prices. Bruegel, March 29, &lt;a href=&quot;https:\/\/www.bruegel.org\/publications\/datasets\/national-policies-to-shield-consumers-from-rising-energy-prices\/&quot; target=&quot;_blank&quot; rel=&quot;noreferrer noopener&quot;&gt;https:\/\/www.bruegel.&lt;\/a&gt; &lt;a href=&quot;https:\/\/www.bruegel.org\/publications\/datasets\/national-policies-to-shield-consumers-from-rising-energy-prices\/&quot;&gt;org\/publications\/datasets\/national-policies-to-shield-consumers-from-rising-energy-prices\/&lt;\/a&gt;.&lt;\/li&gt;\n\n\n\n&lt;li&gt;Sturm, John. 2022. &lt;a href=&quot;https:\/\/drive.google.com\/file\/d\/1FN07m-B6X_AAJruNrT9_qQoT7JkP8udo\/view&quot; target=&quot;_blank&quot; rel=&quot;noreferrer noopener&quot;&gt;&lt;em&gt;The Simple Economics of Trade Sanctions on Russia&amp;nbsp;: A Policymaker\u2019s&lt;\/em&gt;&lt;\/a&gt;&lt;a href=&quot;https:\/\/drive.google.com\/file\/d\/1FN07m-B6X_AAJruNrT9_qQoT7JkP8udo\/view&quot;&gt;&lt;em&gt;Guide&lt;\/em&gt;&lt;\/a&gt;. Working paper, April 9, MIT.UNHCR (UN High Commissioner for Refugees). 2022. Ukraine situation flash update, April 13, &lt;a href=&quot;https:\/\/reliefweb.int\/report\/ukraine\/ukraine-situation-flash-update-8-13-april-2022&quot; target=&quot;_blank&quot; rel=&quot;noreferrer noopener&quot;&gt;https:\/\/reliefweb.int\/report\/ukraine\/ukraine-situation-flash-update-8-13-april-2022&lt;\/a&gt;.&lt;\/li&gt;\n&lt;\/ul&gt;\n\n\n\n&lt;p&gt;'><sup>4<\/sup><\/a><\/span><\/span>. Die Abwanderung h\u00e4lt an (wenn auch langsamer), so dass eine Zahl von 5 Millionen, vielleicht auch mehr, plausibel ist.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Dies ist ein menschliches Drama gigantischen Ausma\u00dfes und wirft gro\u00dfe Probleme der Organisation und der Verteilung auf verschiedene L\u00e4nder auf. Die zu erwartenden makro\u00f6konomischen Kosten scheinen jedoch relativ gering zu sein. Sch\u00e4tzungen der j\u00e4hrlichen Kosten f\u00fcr die Bereitstellung von Unterk\u00fcnften, Nahrungsmitteln, Gesundheitsversorgung und Bildung f\u00fcr Fl\u00fcchtlinge reichen von 9.000 \u20ac bis 25.000 \u20ac pro Person und Jahr&nbsp;<span class='whitespace-nowrap'><span id='easy-footnote-5-452' class='easy-footnote-margin-adjust'><\/span><span class='easy-footnote'><a href='https:\/\/legrandcontinent.eu\/de\/2022\/04\/28\/wirtschaftspolitik-im-krieg\/#easy-footnote-bottom-5-452' title='Vgl. die k\u00fcrzlich erschienene Studie von Darvas (2022). Die h\u00f6here Sch\u00e4tzungen basieren auf schwedischen Daten. Pisani-Ferry (2022) verwendet ausgehend von den Kosten des Gefl\u00fcchtetenzustroms 2015 in Deutschland eine Sch\u00e4tzung von 10.000 \u20ac. Die Kosten in Polen und den anderen L\u00e4ndern der Frontlinie werden sicherlich geringer sein als in Schweden, daher bleiben wir bei der Sch\u00e4tzung von 10.000 \u20ac.'><sup>5<\/sup><\/a><\/span><\/span>. Geht man von Kosten in H\u00f6he von 10.000 \u20ac pro Fl\u00fcchtling (pro Jahr) aus, so belaufen sich die Kosten f\u00fcr die Finanzierung von 5 Millionen Fl\u00fcchtlingen f\u00fcr ein Jahr auf 50 Milliarden \u20ac oder 0,35 % des BIP der EU. Selbst diese Zahl \u00fcbersch\u00e4tzt die Kosten, denn innerhalb weniger Monate werden einige der Gefl\u00fcchteten zur\u00fcckkehren, andere werden Arbeit finden, und wieder andere werden aus der Europ\u00e4ischen Union auswandern.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Nahrungsmittel<\/h3>\n\n\n\n<p>Russland und die Ukraine sind wichtige Erzeuger und &#8211; was noch wichtiger ist &#8211; f\u00fchrende Exporteure von Nahrungsmitteln, insbesondere von Weizen&nbsp;<span class='whitespace-nowrap'><span id='easy-footnote-6-452' class='easy-footnote-margin-adjust'><\/span><span class='easy-footnote'><a href='https:\/\/legrandcontinent.eu\/de\/2022\/04\/28\/wirtschaftspolitik-im-krieg\/#easy-footnote-bottom-6-452' title='F\u00fcr weitere Informationen zu den Auswirkungen des Kriegs auf Nahrungsmittelpreise, vgl. &lt;a href=&quot;https:\/\/www.fao.org\/3\/cb9013en\/cb9013en.pdf&quot;&gt;FAO&lt;\/a&gt; (2022). Vgl. auch&lt;a href=&quot;https:\/\/ourworldindata.org\/ukraine-russia-food&quot;&gt; Ritchie&lt;\/a&gt; (2022).'><sup>6<\/sup><\/a><\/span><\/span>. Nach Angaben der <a href=\"https:\/\/www.fao.org\/faostat\/en\/#data\/FBS\">Ern\u00e4hrungs- und Landwirtschaftsorganisation<\/a> (FAO) beliefen sich die russischen und ukrainischen Weizenexporte im Jahr 2019 auf 23 Prozent der weltweiten Exporte und 7 Prozent der Weltproduktion. In der Ukraine d\u00fcrfte die Anpflanzung f\u00fcr die n\u00e4chste Ernte schwierig sein; selbst auferlegte Beschr\u00e4nkungen k\u00f6nnten die russischen Exporte begrenzen. Verteilungsprobleme angesichts der K\u00e4mpfe in den H\u00e4fen am Schwarzen Meer k\u00f6nnten die Ausfuhren weiter verringern. Der Marktpreis f\u00fcr Weizen ist bereits um fast 50 % gestiegen, von 7,70 $ pro Scheffel vor dem Krieg auf 11 $, ein Niveau, das zuletzt 2008 und damals nur f\u00fcr wenige Tage erreicht wurde (Macrotrends 2022).&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die Europ\u00e4ische Union als Nettoexporteur von Agrarerzeugnissen (2021 betrug ihr Handels\u00fcberschuss laut <a href=\"https:\/\/ec.europa.eu\/eurostat\/statistics-explained\/index.php?title=Extra-EU_trade_in_agricultural_goods\">Eurostat<\/a> 2022 fast 50 Mrd. \u20ac) k\u00f6nnte sich der weltweite Preisanstieg durchaus positiv auf ihre Handelsbedingungen auswirken. Es sind jedoch zwei wichtige Vorbehalte zu beachten: Erstens k\u00f6nnte der Verlust f\u00fcr die EU-Verbraucher (im Gegensatz zur Europ\u00e4ischen Union als Ganzes, d. h. Erzeuger und Verbraucher zusammengenommen) betr\u00e4chtlich sein, ein Thema, auf das wir in Abschnitt 3 zur\u00fcckkommen. Zweitens haben die hohen Lebensmittelpreise bereits jetzt dramatische Folgen f\u00fcr viele Schwellen- und Entwicklungsl\u00e4nder, die sich auf ihr Wachstum und ihre makro\u00f6konomische Stabilit\u00e4t auswirken und m\u00f6glicherweise auch die Europ\u00e4ische Union belasten k\u00f6nnten.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">2<strong>&nbsp;&nbsp;&nbsp; Das Energieproblem<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Die wechselseitige wirtschaftliche Abh\u00e4ngigkeit zwischen Russland und der EU resultiert \u00fcberweigend daraus, dass Russland Europas wichtigster Versorger f\u00fcr fossile Energietr\u00e4ger ist. Bislang haben beide Seiten weitgehend darauf verzichtet, Energie als Druckmittel einzusetzen. Nun hat die&nbsp; Europ\u00e4ische Union am 8.April beschlossen, mit Wirkung ab dem 22. August russische Kohleimporte zu&nbsp; verbieten (Bown 2022). Einige EU-L\u00e4nder sind bereits weiter gegangen, beispielsweise Polen, das am 30.M\u00e4rz ank\u00fcndigte, die Einfuhr jeglicher russischer Energie bis Ende 2022 zu beenden.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Denkt man die Entwicklung der Energiepreise als Funktion der russischen Entscheidungen und der m\u00f6glichen Sanktionen, so ist es wichtig zwischen \u00d6l (und Kohle) und Gas zu unterscheiden.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-pullquote\"><blockquote><p>Die wechselseitige wirtschaftliche Abh\u00e4ngigkeit zwischen Russland und der EU resultiert \u00fcberwiegend daraus, dass Russland Europas wichtigster Versorger f\u00fcr fossile Energietr\u00e4ger ist. <\/p><cite>Olivier Blanchard Und Jean Pisani-Ferry<\/cite><\/blockquote><\/figure>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">\u00d6l und Gas&nbsp;<\/h3>\n\n\n\n<p>Energiedaten sind h\u00e4ufig verwirrend, wegen der unterschiedlichen Ma\u00dfeinheiten, daher ist es sinnvoll mit einem kurzen \u00dcberblick zu beginnen. Die Energieversorgung der EU-27 (ohne UK) beruht im wesentlichen auf \u00d6l (33 %, fast vollst\u00e4ndig aus Importen), Gas (24 %, \u00fcberwiegend aus Importen) und Kohle (12 %, \u00fcberwiegend aus Importen) (Abb. 1). Weitere Energiequellen sind erneuerbare Energien (aus dem Inland), Atomkraft (im Wesentlichen aus dem Inland, Brennstoffe machen nur einen kleinen Teil der Gesamtkosten aus) und importierter Strom. Russland ist ein wichtiger Versorger f\u00fcr \u00d6l, Gas und Kohle.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-wp-embed is-provider-datawrapper wp-block-embed-datawrapper\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<iframe class=\"wp-embedded-content\" sandbox=\"allow-scripts\" security=\"restricted\" title=\"Prim\u00e4renergiequellen der EU-27 im Jahr 2019\" src=\"https:\/\/datawrapper.dwcdn.net\/rcHxw\/1\/#?secret=FWjzSJh4c8\" data-secret=\"FWjzSJh4c8\" scrolling=\"no\" frameborder=\"0\" height=\"535\"><\/iframe>\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<p>Vor dem Krieg folgte der russische Exportpreis eng dem Weltmarktpreis f\u00fcr Brent, was eine hohe Substituierbarkeit anzeigt. Da Russland einer von vielen \u00d6llieferanten der Europ\u00e4ischen Union ist, gehen wir davon aus, dass geringere EU-Importe aus Russland durch Importe aus anderen L\u00e4ndern ersetzt werden k\u00f6nnen. Und geringere russische Exporte in den Westen k\u00f6nnen teilweise durch Ank\u00e4ufe aus Indien und China ausgeglichen werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Gegensatz zu \u00d6l ist der Gasmarkt regional. Es gibt, grob gesagt, drei M\u00e4rkte auf der Welt: Europa, Nordamerika und Asien. Die Preise auf diesen M\u00e4rkten h\u00e4ngen miteinander zusammen, da LNG in jeden dieser M\u00e4rkte verschifft werden kann, k\u00f6nnen aber erheblich voneinander abweichen. Seit 2021 f\u00fchrt die hohe Nachfrage in Asien zu einer starken Abweichung zwischen dem nordamerikanischen Gaspreis und den Preisen in Asien und Europa (Abbildung 2).<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-wp-embed is-provider-datawrapper wp-block-embed-datawrapper\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<iframe class=\"wp-embedded-content\" sandbox=\"allow-scripts\" security=\"restricted\" title=\"Gaspreise in Europa, Asien und den USA. \" src=\"https:\/\/datawrapper.dwcdn.net\/dJaaA\/3\/#?secret=quVgT5mX0l\" data-secret=\"quVgT5mX0l\" scrolling=\"no\" frameborder=\"0\" height=\"400\"><\/iframe>\n<\/div><figcaption> <\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die Er\u00f6rterung der Auswirkungen einer EU-Sanktion ist daher der europ\u00e4ische Markt relevant, nicht der Weltmarkt. Gas wird haupts\u00e4chlich zur Stromerzeugung (1\/3), in der Industrie und im Dienstleistungssektor (1\/3) und von den Haushalten (ein kleineres Drittel) verwendet. F\u00fcr einige Verwendungszwecke ist es sehr gut substituierbar (mit Gas erzeugter Strom kann durch Strom aus anderen Quellen ersetzt werden), f\u00fcr andere dagegen weniger gut (eine mit Gas betriebene Heizung kann kein \u00d6l oder Kohle verbrennen). Im Durchschnitt macht russisches Gas 8,4 Prozent der Prim\u00e4renergieversorgung in der Europ\u00e4ischen Union aus, allerdings gibt es&nbsp; gro\u00dfe Unterschiede zwischen den Mitgliedstaaten. Portugal beispielsweise importiert gar kein Gas aus Russland, w\u00e4hrend in Ungarn der Anteil des russischen Gases an der Prim\u00e4renergieversorgung 28,5 Prozent ausmacht (Pisani-Ferry 2022).<\/p>\n\n\n\n<p>Obwohl sie nicht vollst\u00e4ndig vernetzt ist (Spanien und Portugal haben beispielsweise nur begrenzt Pipelineverbindungen nach Nordeuropa), k\u00f6nnen Preisunterschiede in der Europ\u00e4ischen Union durch interne Transaktionen von Importen aus dem Rest der Welt weitgehend ausgeglichen werden, sofern &#8211; was nicht selbstverst\u00e4ndlich ist &#8211; eine politische Einigung dar\u00fcber besteht&nbsp;<span class='whitespace-nowrap'><span id='easy-footnote-7-452' class='easy-footnote-margin-adjust'><\/span><span class='easy-footnote'><a href='https:\/\/legrandcontinent.eu\/de\/2022\/04\/28\/wirtschaftspolitik-im-krieg\/#easy-footnote-bottom-7-452' title='So k\u00f6nnen zum Beispiel LNG-Importe aus dem Rest der Welt in die L\u00e4nder gelenkt werden, in denen der Nachfrage\u00fcberhang am gr\u00f6\u00dften ist.'><sup>7<\/sup><\/a><\/span><\/span>. Im Folgenden betrachten wir den EU-Markt als einen einzigen Markt.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-pullquote\"><blockquote><p>Im Durchschnitt macht russisches Gas 8,4 Prozent der Prim\u00e4renergieversorgung in der Europ\u00e4ischen Union aus, allerdings gibt es&nbsp; gro\u00dfe Unterschiede zwischen den Mitgliedstaaten. <\/p><cite>Olivier Blanchard und Jean Pisani-Ferry<\/cite><\/blockquote><\/figure>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Nachdenken \u00fcber die Preisbildung f\u00fcr Energie<\/h3>\n\n\n\n<p>Auch ohne Sanktionen k\u00f6nnte Russland bei der Gestaltung seiner \u00d6l- und Gasexportpolitik strategisch vorgehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Beim Erd\u00f6l k\u00f6nnte es versuchen, seine Einnahmen zu erh\u00f6hen, um die Mehrausgaben im Zusammenhang mit dem Krieg zu finanzieren. Dies w\u00fcrde zu einem Anstieg des weltweiten \u00d6langebots und damit zu einem R\u00fcckgang des Weltmarktpreises f\u00fchren. Russland w\u00e4re jedoch mit einer Reihe von Hindernissen konfrontiert: Ein zus\u00e4tzliches Angebot wird derzeit durch die Schwierigkeiten bei der Platzierung von Frachten auf dem internationalen Markt limitiert (was sich im Preisunterschied zwischen Ural- und Brent-\u00d6l widerspiegelt). Au\u00dferdem ist Russland Mitglied der OPEC+-Koalition, wodurch seine M\u00f6glichkeiten zur Exportsteigerung ebenfalls eingeschr\u00e4nkt werden.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Im Falle von Gas ist ein subtilerer Effekt von Bedeutung. Die Europ\u00e4ische Union bem\u00fcht sich, ihre Abh\u00e4ngigkeit von russischem Erdgas zu verringern, doch ihre Ank\u00fcndigung, die Importe bis Ende 2022 um zwei Drittel zu senken, ist optimistisch&nbsp;<span class='whitespace-nowrap'><span id='easy-footnote-8-452' class='easy-footnote-margin-adjust'><\/span><span class='easy-footnote'><a href='https:\/\/legrandcontinent.eu\/de\/2022\/04\/28\/wirtschaftspolitik-im-krieg\/#easy-footnote-bottom-8-452' title='Vgl. &lt;a href=&quot;https:\/\/ec.europa.eu\/commission\/presscorner\/detail\/en\/ip_22_1511&quot;&gt;Pressemeldung der EU-Kommission&lt;\/a&gt; vom 8.M\u00e4rz 2022.'><sup>8<\/sup><\/a><\/span><\/span>. Auf der Angebotsseite kann ein Teil des russischen Gases durch Gas aus Norwegen, Algerien und Aserbaidschan ersetzt werden, allerdings verf\u00fcgen diese L\u00e4nder nur \u00fcber begrenzte Kapazit\u00e4ten. Der Rest muss per Schiff als LNG geliefert werden, kurzfristig ist die Zahl der LNG-Schiffe jedoch begrenzt, so dass zus\u00e4tzliche Lieferungen nur durch die Umleitung von f\u00fcr Asien bestimmten Transporten m\u00f6glich sind. Auf der Nachfrageseite wird die M\u00f6glichkeit, Gas durch alternative Energietr\u00e4ger zu ersetzen, auch durch die vorhandenen technischen Strukturen bestimmt. Aktuelle Untersuchungen (<a href=\"https:\/\/www.iea.org\/reports\/a-10-point-plan-to-reduce-the-european-unions-reliance-on-russian-natural-gas\">IEA<\/a> 2022b, McWilliams et al. 2022) kommen zu dem Schluss, dass die Europ\u00e4ische Union in diesem und im kommenden Jahr die russischen Gasimporte nicht vollst\u00e4ndig ersetzen kann&nbsp;<span class='whitespace-nowrap'><span id='easy-footnote-9-452' class='easy-footnote-margin-adjust'><\/span><span class='easy-footnote'><a href='https:\/\/legrandcontinent.eu\/de\/2022\/04\/28\/wirtschaftspolitik-im-krieg\/#easy-footnote-bottom-9-452' title='F\u00fcr eine ausf\u00fchrlichere Diskussion der zugrunde liegenden Substitutionselastizit\u00e4t zwischen Gas und anderen Energiequellen und ihrer Auswirkungen auf das BIP im Falle eines vollst\u00e4ndigen Gasembargos vgl. Bachmann et al. (2022), Baqaee und Moll (2022) und Moll (2022).'><sup>9<\/sup><\/a><\/span><\/span>. Kurzfristig ist die EU-Nachfrage nach Gas also relativ unelastisch, und unter plausiblen Annahmen k\u00f6nnte die Preiselastizit\u00e4t der EU-Nachfrage nach russischem Gas (Gesamtnachfrage abz\u00fcglich der Importe aus der \u00fcbrigen Welt) durchaus weniger als eins betragen.<\/p>\n\n\n\n<p>Unter den \u00fcblichen Monopolannahmen w\u00fcrde eine solch geringe Elastizit\u00e4t Russland dazu veranlassen, einen sehr hohen Preis festzusetzen, selbst wenn kein Krieg herrscht&nbsp;<span class='whitespace-nowrap'><span id='easy-footnote-10-452' class='easy-footnote-margin-adjust'><\/span><span class='easy-footnote'><a href='https:\/\/legrandcontinent.eu\/de\/2022\/04\/28\/wirtschaftspolitik-im-krieg\/#easy-footnote-bottom-10-452' title=' Wir betrachten Russland als Monopolisten gegen\u00fcber einer gro\u00dfen Anzahl nationaler K\u00e4ufer. Wenn es einen gemeinsamen Marktpreis und eine Koordination zwischen den Abnehmern g\u00e4be, k\u00f6nnte es sinnvoller sein, das Marktgleichgewicht als das Ergebnis eines Spiels zwischen zwei Spielern zu behandeln. Angesichts der fehlenden Koordination haben wir die Implikationen dieser Alternative bislang nicht ber\u00fccksichtigt.'><sup>10<\/sup><\/a><\/span><\/span>. Der Grund daf\u00fcr, dass Russland dies in der Vergangenheit nicht getan hat, liegt darin, dass die langfristige Elastizit\u00e4t sicherlich gr\u00f6\u00dfer als eins ist. Es ist also mit einem intertemporalen Kompromiss konfrontiert: Ein sehr hoher Preis erh\u00f6ht kurzfristig die Einnahmen, senkt sie aber langfristig. Der Krieg wirkt in zweierlei Weise auf dieses Kalk\u00fcl. Erstens durch die schon beschriebene Notwendigkeit h\u00f6herer Einnahmen in der Gegenwart, was zu einer Erh\u00f6hung des Preises f\u00fchrt. Zweitens verringert die Antizipation k\u00fcnftiger Sanktionen und der klare Beschluss der Europ\u00e4ischen Union, sich von russischen Gasexporten zu verabschieden, die Auswirkungen einer Preiserh\u00f6hung auf k\u00fcnftige Einnahmen, was Russland wiederum dazu veranlasst, den Preis zu erh\u00f6hen, solange die Nachfrage noch vorhanden ist.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-pullquote\"><blockquote><p>In diesem und im kommenden Jahr kann die Europ\u00e4ische Union die russischen Gasimporte nicht vollst\u00e4ndig ersetzen kann<\/p><cite>Olivier Blanchard und Jean Pisani-Ferry<\/cite><\/blockquote><\/figure>\n\n\n\n<p>Kurz gesagt: Ungeachtet der Sanktionen k\u00f6nnte Russland die Einnahmen aus Energieexporten erh\u00f6hen wollen. Doch w\u00e4hrend dies bei \u00d6l eine Erh\u00f6hung des Exportvolumens bedeuten w\u00fcrde (angesichts des Weltmarktpreises), ginge es beim Gas um eine Erh\u00f6hung der Preise (und damit eine Verringerung der Exportmengen). Zwar schlie\u00dfen langfristige Gasvertr\u00e4ge ein solches Vorgehen gew\u00f6hnlich aus, da sie die Indexierung der Preise an den TTF-Marktpreis (Title Transfer Facility) vorsehen. Russland verf\u00fcgt jedoch \u00fcber einen gewissen Spielraum, um einen Teil seines Angebots von Lieferungen im Rahmen bestehender Vertr\u00e4ge auf freie Verk\u00e4ufe umzustellen. Zudem k\u00f6nnen Vertr\u00e4ge grunds\u00e4tzlich ge\u00e4ndert werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch f\u00fcr Sanktionen, egal ob es sich um Embargos oder Strafz\u00f6lle handelt, ist die Marktstruktur von grundlegender Bedeutung, und die Auswirkungen auf die Erd\u00f6l- und Erdgasexporte m\u00fcssen getrennt diskutiert werden.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Sanktionen: \u00d6l&nbsp;<\/h3>\n\n\n\n<p>Um Russland zu sanktionieren, k\u00f6nnte die Europ\u00e4ische Union es den Vereinigten Staaten und dem Vereinigten K\u00f6nigreich gleichtun und ein Embargo gegen russisches \u00d6l verh\u00e4ngen. Dies w\u00e4re der einfachste Ansatz, da ein europ\u00e4isches Embargo die derzeitige Zur\u00fcckhaltung von Energieunternehmen, Reedern, Banken und Versicherern gegen\u00fcber russischen Exporten verst\u00e4rken w\u00fcrde. Eine solche Ma\u00dfnahme w\u00fcrde Russland nicht g\u00e4nzlich am Export hindern \u2013 es w\u00fcrde alternative Abnehmer wie China, Indien oder andere finden, wie bereits geschehen \u2013, aber ein Embargo w\u00fcrde mit Sicherheit den Abschlag auf russisches \u00d6l erh\u00f6hen, so wie wir es jetzt schon beim Ural-Preisabschlag sehen. In anderen Worten: Die westliche Strategie w\u00fcrde darin bestehen, russisches \u00d6l auf dem Markt zu halten und gleichzeitig Wege zu finden, um den Preis zu dr\u00fccken (was sie bereits weitgehend tut). Wenn die russischen Exporte insgesamt zur\u00fcckgingen, w\u00fcrde der Weltmarktpreis steigen, es sei denn, der R\u00fcckgang der russischen Exporte w\u00fcrde durch die Erh\u00f6hung der Produktion durch andere Produzenten, von Saudi-Arabien \u00fcber den Iran bis Venezuela, ausgeglichen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Anstieg des Weltmarktpreises w\u00fcrde letztlich davon abh\u00e4ngen, ob Russland in der Lage ist, andere K\u00e4ufer zu finden, und ob andere L\u00e4nder beschlie\u00dfen, mehr zu verkaufen. Um ein Gef\u00fchl daf\u00fcr zu bekommen, wie preisliche Auswirkungen vom R\u00fcckgang des weltweiten Angebots abh\u00e4ngen, lohnt sich ein Blick in die Geschichte.<\/p>\n\n\n\n<p>Das OPEC-Embargo von 1973 verringerte das weltweite Angebot um 7 Prozent und f\u00fchrte zu einem Preisanstieg von 51 Prozent. Die iranische Revolution von 1978 verringerte das weltweite Angebot um 4 Prozent und f\u00fchrte zu einem Preisanstieg von 57 Prozent. Der Iran-Irak-Krieg von 1980 verringerte das weltweite Angebot um 4 Prozent und f\u00fchrte zu einem Preisanstieg von 45 Prozent. Der Golfkrieg 1990 verringerte das weltweite Angebot um 6 % und f\u00fchrte zu einem Preisanstieg von 93 % (<a href=\"https:\/\/economics.princeton.edu\/events\/james-hamilton-on-sanctions-energy-prices-and-the-global-economy\/\">Hamilton 2022<\/a>). Der Anteil Russlands an der Weltproduktion lag 2019 bei etwa 13 %, seine Exporte machten einen \u00e4hnlichen Anteil am Welthandel aus. Ein starker R\u00fcckgang des russischen Angebots, der nicht durch einen Anstieg des Angebots in anderen L\u00e4ndern ausgeglichen wird, h\u00e4tte also dramatische Auswirkungen auf den Preis (BP 2021)&nbsp;<span class='whitespace-nowrap'><span id='easy-footnote-11-452' class='easy-footnote-margin-adjust'><\/span><span class='easy-footnote'><a href='https:\/\/legrandcontinent.eu\/de\/2022\/04\/28\/wirtschaftspolitik-im-krieg\/#easy-footnote-bottom-11-452' title='Hier und im Folgenden verwenden wir, sofern nicht anders angegeben, die Daten f\u00fcr 2019 als Benchmark, da die Daten f\u00fcr 2020 durch den Covid-Schock beeintr\u00e4chtigt wurden und die Daten f\u00fcr 2021 nicht immer verf\u00fcgbar sind.'><sup>11<\/sup><\/a><\/span><\/span>.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-pullquote\"><blockquote><p>Wenn die russischen Exporte insgesamt zur\u00fcckgingen, w\u00fcrde der Weltmarktpreis steigen, es sei denn, der R\u00fcckgang der russischen Exporte w\u00fcrde durch die Erh\u00f6hung der Produktion durch andere Produzenten, von Saudi-Arabien \u00fcber den Iran bis Venezuela, ausgeglichen.<\/p><cite>Olivier Blanchard und Jean Pisani-Ferry<\/cite><\/blockquote><\/figure>\n\n\n\n<p>Die Geschichte ist jedoch m\u00f6glicherweise kein verl\u00e4sslicher Indikator. Die Auswirkungen eines geringeren Angebots h\u00e4ngen von der Elastizit\u00e4t sowohl des nicht-russischen \u00d6langebots als auch der weltweiten Nachfrage nach \u00d6l ab. Und beides d\u00fcrfte sich von dem unterscheiden, was in den 1970er oder 1990er Jahren galt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Preiselastizit\u00e4t des Angebots hat seit den oben genannten Ereignissen zugenommen, vor allem seit die USA mit der F\u00f6rderung von Schiefer\u00f6l begonnen haben. Es dauert jedoch eine gewisse Zeit, bis neue Bohrungen die Produktion erh\u00f6hen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die Preiselastizit\u00e4t der Nachfrage k\u00f6nnte sich verringert haben, da Erd\u00f6l zunehmend dort verwendet wird, wo es keine Substitute gibt (z. B. als Treibstoff f\u00fcr Kraftfahrzeuge und Flugzeuge). Und staatliche Ma\u00dfnahmen zum teilweisen Schutz der K\u00e4ufer, seien es Unternehmen oder Konsumenten, k\u00f6nnten die Nachfrageelastizit\u00e4t weiter senken.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Wie in Abschnitt 4 er\u00f6rtert, haben mehrere Regierungen Ende 2021 und erneut seit Beginn des Russland-Ukraine-Krieges energiebezogene Transfers und Subventionen eingef\u00fchrt. In dem Ma\u00dfe in dem diese das Preissignal beeinflussen,&nbsp; verringern solche Ma\u00dfnahmen die Nachfragereaktion. Dies ist nicht von Bedeutung, wenn ein kleines Land isoliert subventioniert. Wenn dagegen viele L\u00e4nder subventionieren &#8211; dies w\u00e4re der Fall, wenn die Europ\u00e4ische Union sich den Vereinigten Staaten und dem Vereinigten K\u00f6nigreich bei der Gew\u00e4hrung von Subventionen anschlie\u00dft -, wird dies zwangsl\u00e4ufig zu einem st\u00e4rkeren Anstieg des Weltmarktpreises f\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Sanktionen: Gas&nbsp;<em>&nbsp;<\/em><\/h3>\n\n\n\n<p>Die Marktstruktur f\u00fcr Gas kann so gedeutet werden, dass ein monopolistisches Russland einer gro\u00dfen Anzahl von EU-K\u00e4ufern gegen\u00fcbersteht, die grunds\u00e4tzlich Gas aus anderen Quellen beziehen k\u00f6nnen, jedoch nur zu stark steigenden Kosten. Wie wir gesehen haben, k\u00f6nnte Russland auch ohne Sanktionen seinen Preis erh\u00f6hen und das Angebot reduzieren wollen. Fraglich ist nun, was passieren w\u00fcrde, wenn die Europ\u00e4ische Union Sanktionen verh\u00e4ngen w\u00fcrde, am ehesten in Form von Strafz\u00f6llen auf russische Exporte&nbsp;<span class='whitespace-nowrap'><span id='easy-footnote-12-452' class='easy-footnote-margin-adjust'><\/span><span class='easy-footnote'><a href='https:\/\/legrandcontinent.eu\/de\/2022\/04\/28\/wirtschaftspolitik-im-krieg\/#easy-footnote-bottom-12-452' title='Es gibt eine juristische Debatte dar\u00fcber, ob ein solches Vorgehen Einstimmigkeit innerhalb der Europ\u00e4ischen Union erfordert. Sanktionen werden auf der Grundlage von Art. 29 des Vertrags \u00fcber die Europ\u00e4ische Union einstimmig beschlossen, aber mit qualifizierter Mehrheit umgesetzt. Handelspolitische Entscheidungen werden mit qualifizierter Mehrheit getroffen. Und im Bereich der Energie hat jeder Mitgliedstaat das Recht, &amp;#8222;die allgemeine Struktur seiner Energieversorgung&amp;#8220; zu bestimmen (Art. 194 des Vertrags \u00fcber die Arbeitsweise der EU).&amp;nbsp;'><sup>12<\/sup><\/a><\/span><\/span>. Das w\u00e4re ein starkes Signal, dass die EU-Mitgliedstaaten bereit sind, Russland gemeinsam entgegenzutreten. Die Freiheit privater Vertr\u00e4ge bliebe gewahrt und w\u00e4re rechtlich umsetzbar, da die Europ\u00e4ische Union (wie auch die Vereinigten Staaten und andere L\u00e4nder der Koalition zur Unterst\u00fctzung der Ukraine) Russland den Status als <em>Most Favored Nation<\/em> entzogen hat. Wir gehen davon aus, dass als Reaktion darauf private Vertr\u00e4ge entweder gebrochen oder neu ausgehandelt w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n<p>In diesem Kontext h\u00e4ngt die Wirkung des Strafzolls von der Elastizit\u00e4t der Nettonachfrage ab (die Nachfrage nach russischem Gas abz\u00fcglich der Lieferung von nicht-russischem Gas in die Europ\u00e4ische Union). Im Allgemeinen wird ein Zoll die Verbraucherpreise erh\u00f6hen, jedoch weniger als eins zu eins; analog dazu wird er den Preis vor dem Zoll senken, jedoch weniger als eins zu eins.<\/p>\n\n\n\n<p>In dem besonderen Fall, dass die Elastizit\u00e4t der EU-Nachfrage konstant ist, wird Russland seinen Preis (vor dem Zoll) unver\u00e4ndert lassen, was zu einem Anstieg der Verbraucherpreise im Verh\u00e4ltnis eins zu eins und zu einem R\u00fcckgang der Nachfrage f\u00fchrt. Die russischen Einnahmen werden mit der sinkenden Nachfrage sinken. Im Falle einer linearen Nachfrage wird die Auswirkung des Zolls auf den Verbraucherpreis weniger als eins zu eins sein &#8211; Russland wird seinen Preis vor dem Zoll senken, aber weniger als eins zu eins. Die Nachfrage wird weniger stark zur\u00fcckgehen als im Fall einer konstanten Elastizit\u00e4t. Die russischen Einnahmen werden aufgrund der geringeren Nachfrage und der niedrigeren Preise vor dem Tarif sinken.<\/p>\n\n\n\n<p>Interessanterweise kann ein geringer Strafzoll den Wohlstand in der EU sogar erh\u00f6hen: Die Verbraucher zahlen zwar mehr, doch die Einnahmen aus den Z\u00f6llen sind h\u00f6her als die zus\u00e4tzlichen Ausgaben, so dass es den K\u00e4ufern bei entsprechender Umverteilung besser gehen kann&nbsp;<span class='whitespace-nowrap'><span id='easy-footnote-13-452' class='easy-footnote-margin-adjust'><\/span><span class='easy-footnote'><a href='https:\/\/legrandcontinent.eu\/de\/2022\/04\/28\/wirtschaftspolitik-im-krieg\/#easy-footnote-bottom-13-452' title='Dieser Punkt wird anschaulich von John Sturm (2022) dargestellt, der Parallelen zum Argument der wohlfahrtssteigernden Z\u00f6lle aufzeigt, das im internationalen Handel zum Standard geh\u00f6rt.'><sup>13<\/sup><\/a><\/span><\/span>. H\u00f6here Z\u00f6lle wirken sich nachteilig auf die russischen Einnahmen, aber auch auf die EU-Wohlfahrt aus. Unter der Annahme einer linearen Nachfrage ermittelt Daniel Gros (2022), dass ein 30-prozentiger Zoll auf russisches Gas die Wohlfahrt der EU maximieren w\u00fcrde. \u00dcber diesen Satz hinaus w\u00fcrde der Zoll die Wohlfahrt der EU verringern, k\u00f6nnte aber auch die russischen Einnahmen erheblich schm\u00e4lern. Gros kommt zu dem Ergebnis, dass ein 60-prozentiger Zoll die russischen Gasexporteinnahmen um drei Viertel reduzieren w\u00fcrde, allerdings mit gewissen Wohlfahrtskosten f\u00fcr die Europ\u00e4ische Union.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-pullquote\"><blockquote><p>Interessanterweise kann ein geringer Strafzoll den Wohlstand in der EU sogar erh\u00f6hen: Die Verbraucher zahlen zwar mehr, doch die Einnahmen aus den Z\u00f6llen sind h\u00f6her als die zus\u00e4tzlichen Ausgaben, so dass es den K\u00e4ufern bei entsprechender Umverteilung besser gehen kann.<\/p><cite>Olivier Blanchard und Jean Pisani-Ferry<\/cite><\/blockquote><\/figure>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">3<strong>&nbsp;&nbsp;&nbsp; Rohstoffpreissteigerungen, Inflation und Realeinkommen<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Die bisherigen Ausf\u00fchrungen machen deutlich, dass die k\u00fcnftige Entwicklung der \u00d6l- und Gaspreise von vielen Faktoren abh\u00e4ngt, die sowohl die Entscheidungen Russlands als auch die Wahl und die Intensit\u00e4t der Sanktionen beeinflussen, und daher mit gro\u00dfer Unsicherheit behaftet ist. Wir sind weniger pessimistisch als die j\u00fcngste <a href=\"https:\/\/www.ifw-kiel.de\/fileadmin\/Dateiverwaltung\/IfW-Publications\/-ifw\/Gemeinschaftsdiagnose\/Langfassungen\/gd_2022_1.pdf\">Prognose<\/a> der Deutschen Institute f\u00fcr Wirtschaftsforschung (2022), die in ihrem zentralen Szenario einen Brent-Preis von 135 $ pro Barrel und eine Verdoppelung des Gaspreises in Europa auf 200 \u20ac pro MWh annimmt. Im weiteren Verlauf dieses Beitrags gehen wir davon aus &#8211; obgleich wir uns der damit verbundenen Unsicherheit bewusst sind -, dass russische Entscheidungen und strengere Sanktionen zu einem Anstieg der \u00d6l- und Gaspreise um 25 Prozent gegen\u00fcber dem Vorkriegsniveau f\u00fchren werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Rohstoffpreiserh\u00f6hungen hat es in der Vergangenheit schon oft gegeben. Betrachten wir nur die \u00d6lpreise: Der Preis f\u00fcr die Sorte Brent stieg von 10,30 US-Dollar pro Barrel im Februar 1999 auf 133 US-Dollar im Juni 2008 und dann von 40 US-Dollar im Dezember 2008 auf 123 US-Dollar im April 2011. Bis August 2014 blieb er \u00fcber 100 $. In Anbetracht der Inflation seit 2014 entsprechen 100 US-Dollar damals heute 120 US-Dollar, so dass der aktuelle reale \u00d6lpreis noch nicht die historischen Rekordwerte erreicht hat (Abbildung 3)&nbsp;<span class='whitespace-nowrap'><span id='easy-footnote-14-452' class='easy-footnote-margin-adjust'><\/span><span class='easy-footnote'><a href='https:\/\/legrandcontinent.eu\/de\/2022\/04\/28\/wirtschaftspolitik-im-krieg\/#easy-footnote-bottom-14-452' title='&amp;nbsp;&lt;a href=&quot;https:\/\/fred.stlouisfed.org\/series\/MCOILBRENTEU&quot;&gt;Fred-Daten&lt;\/a&gt; basierend auf der &lt;a href=&quot;https:\/\/www.eia.gov\/dnav\/pet\/TblDefs\/pet_pri_spt_tbldef2.asp&quot;&gt;US Energy Information Administration&lt;\/a&gt;.'><sup>14<\/sup><\/a><\/span><\/span>.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-wp-embed is-provider-datawrapper wp-block-embed-datawrapper\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<iframe class=\"wp-embedded-content\" sandbox=\"allow-scripts\" security=\"restricted\" title=\"Realer \u00d6lpreis, 1970-2022\" src=\"https:\/\/datawrapper.dwcdn.net\/lU5uq\/1\/#?secret=YFx47LYGtO\" data-secret=\"YFx47LYGtO\" scrolling=\"no\" frameborder=\"0\" height=\"400\"><\/iframe>\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<p>Infolgedessen haben \u00d6konomen ein gutes Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die wirtschaftlichen Konsequenzen von Rohstoffpreissteigerungen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Inflation<em>&nbsp;<\/em><\/h3>\n\n\n\n<p>Die unmittelbare und sichtbarste Auswirkung ist in der Tat der Einfluss auf die Inflation. Der Effekt kann ziemlich gro\u00df sein. Im Jahr 2021 entfielen 9,6 Prozent der pers\u00f6nlichen Konsumausgaben in der Eurozone auf Strom, Heizstoffe und Kraftstoffe f\u00fcr Verkehrsmittel. Nahrungsmittel machten im Durchschnitt 15,7 Prozent des Warenkorbs aus&nbsp;<span class='whitespace-nowrap'><span id='easy-footnote-15-452' class='easy-footnote-margin-adjust'><\/span><span class='easy-footnote'><a href='https:\/\/legrandcontinent.eu\/de\/2022\/04\/28\/wirtschaftspolitik-im-krieg\/#easy-footnote-bottom-15-452' title='Quelle: &lt;a href=&quot;https:\/\/www.ecb.europa.eu\/stats\/ecb_statistics\/escb\/html\/table.en.html?id=JDF_ICP_COICOP_INW&amp;amp;period=2021&quot;&gt;&lt;u&gt;HICP weights&lt;\/u&gt;&lt;\/a&gt; der EZB f\u00fcr 2021 '><sup>15<\/sup><\/a><\/span><\/span>. Somit ist der Anteil des Verbrauchs, der den direkten Auswirkungen von Preiserh\u00f6hungen ausgesetzt ist, hoch.<\/p>\n\n\n\n<p>Empirische Sch\u00e4tzungen deuten darauf hin, dass der Anstieg der Rohstoffpreise nur teilweise, aber daf\u00fcr rasch auf die Verbraucherpreise durchschl\u00e4gt. In einer detaillierten Eurosystem-Studie aus dem Jahr 2010 (EZB 2010) wurde bei einem \u00d6lpreis von rund 100 US-Dollar pro Barrel eine Elastizit\u00e4t der Energiekomponente des HVPI (harmonisierter Verbraucherpreisindex) gegen\u00fcber dem \u00d6lpreis von 0,4 festgestellt (was gr\u00f6\u00dftenteils auf preisunempfindliche Verbrauchssteuern zur\u00fcckzuf\u00fchren ist), die zu 90 Prozent innerhalb eines Monats wirksam wurde. Diese Sch\u00e4tzungen sind jedoch nicht mehr auf dem neuesten Stand, da sie von einer Indexierung des Gaspreises an den \u00d6lpreis (die inzwischen abgeschafft wurde) und einer Starrheit des Strompreises (die nicht mehr gilt) ausgehen (EZB 2010, Tabelle 9).<\/p>\n\n\n\n<p>Nehmen wir also f\u00fcr den Anteil der Energie am privaten Verbrauch 10 % an und unterstellen wir einen Pass-Through von 50 %. Die direkte Auswirkung des angenommenen 25-prozentigen Preisanstiegs liegt dann bei 25 Prozent \u00d7 0,1 \u00d7 0,5 = 1,25 Prozent. Bei den Nahrungsmitteln gehen wir von einem Anteil von 15 %, einem Anstieg von 10 % und einem Pass-Through von ebenfalls 50 % aus. Die Auswirkung ist 10 Prozent \u00d7 0,15 \u00d7 0,5 = 0,75 Prozent. Dies bedeutet eine Verteuerung des Warenkorbs um 2 %.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Erstrundeneffekte lassen sich kaum vermeiden, sind aber nur der Anfang. Die nachfolgenden Runden spiegeln die Reaktionen von Unternehmen und Arbeitnehmern wider. Produzenten von Waren, die Energie oder landwirtschaftliche Erzeugnisse als Input verwenden, erh\u00f6hen ihre Preise, um ihre Gewinnspannen wiederherzustellen. Arbeitnehmer, deren L\u00f6hne in der ersten Runde hinter den Verbraucherpreisen zur\u00fcckgeblieben sind, fordern Nominallohnerh\u00f6hungen, um ihren Reallohn wiederherzustellen. Dies f\u00fchrt zu weiteren Preis- und Lohnsteigerungen. Wie stark diese weiteren Runden ausfallen, h\u00e4ngt davon ab, wie sehr sich die Unternehmen bem\u00fchen, die Gewinnspannen wiederherzustellen, und wie sehr sich die Arbeitnehmer bem\u00fchen, ihren Reallohn zu halten. Denn wenn die Rohstoffpreise hoch bleiben, sinkt der Inflationsdruck nur, wenn entweder die Unternehmen, die diese Rohstoffe verwenden, niedrigere Gewinnspannen und\/oder die Arbeitnehmer niedrigere Reall\u00f6hne akzeptieren. Wie wir im weiteren sehen werden, h\u00e4ngt die Entwicklung von Inflation und Wirtschaftst\u00e4tigkeit im Laufe der Zeit sowohl von der Geld- als auch von der Fiskalpolitik ab.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-pullquote\"><blockquote><p>Wenn die Rohstoffpreise hoch bleiben, sinkt der Inflationsdruck nur, wenn entweder die Unternehmen, die diese Rohstoffe verwenden, niedrigere Gewinnspannen und\/oder die Arbeitnehmer niedrigere Reall\u00f6hne akzeptieren. Wie wir im weiteren sehen werden, h\u00e4ngt die Entwicklung von Inflation und Wirtschaftst\u00e4tigkeit im Laufe der Zeit sowohl von der Geld- als auch von der Fiskalpolitik ab.<\/p><cite>Olivier Blanchard und Jean Pisani-Ferry<\/cite><\/blockquote><\/figure>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Realeinkommen<\/h3>\n\n\n\n<p>Diese Inflationsdynamik tritt unabh\u00e4ngig davon auf, ob eine Volkswirtschaft diese Waren produziert oder importiert. Ob eine Volkswirtschaft Nettoimporteur ist oder nicht, macht jedoch einen gro\u00dfen Unterschied f\u00fcr die Entwicklung des gesamten Realeinkommens. Nehmen wir den Fall der Vereinigten Staaten, die ihren Energiebedarf im Wesentlichen aus dem Inland decken. Ein Anstieg der Energiepreise schl\u00e4gt sich in einem R\u00fcckgang des Realeinkommens der Energienutzer (Verbraucher und Unternehmen) und einem Anstieg des Realeinkommens der Energieerzeuger (und ihrer Aktion\u00e4re) nieder. Der Effekt auf das US-Realeinkommen insgesamt ist ungef\u00e4hr gleich Null. Die Auswirkungen auf die Gesamtnachfrage h\u00e4ngen von der marginalen Konsumquote der Energieverbraucher und -erzeuger ab und k\u00f6nnen demnach zu- oder abnehmen. Die Europ\u00e4ische Union hingegen importiert fast das gesamte von ihr verbrauchte Gas und \u00d6l, so dass ein Preisanstieg zu einem R\u00fcckgang des Realeinkommens der Energieverbraucher und zu einem Anstieg des Realeinkommens ausl\u00e4ndischer Erzeuger f\u00fchrt, die wahrscheinlich nicht viel f\u00fcr EU-Waren ausgeben werden. Ein Preisanstieg bei diesen G\u00fctern wird sich daher wahrscheinlich sehr nachteilig auf die Inlandsnachfrage auswirken. In beiden F\u00e4llen k\u00f6nnten die Energienutzer, insbesondere die Verbraucher, schlechter gestellt sein. Die Auswirkungen auf die Gesamtnachfrage h\u00e4ngen jedoch davon ab, ob das Land ein Nettoimporteur ist oder nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist sinnvoll, \u00fcber die Auswirkungen von \u00d6l- und Gaspreiserh\u00f6hungen auf das Realeinkommen in der EU nachzudenken und ein Gef\u00fchl f\u00fcr die Gr\u00f6\u00dfenordnungen zu bekommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Beginnen wir mit \u00d6l. Die \u00d6lm\u00e4rkte scheinen davon auszugehen, dass die Verringerung des weltweiten Angebots begrenzt sein wird. Der Preis f\u00fcr die Sorte Brent lag am Tag vor Kriegsbeginn bei 99 $ pro Barrel, gegen\u00fcber 78 $ Anfang 2022; er stieg kurzzeitig auf 133 $ an, lag aber zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Berichts (14. April) bei 110 $&nbsp;<span class='whitespace-nowrap'><span id='easy-footnote-16-452' class='easy-footnote-margin-adjust'><\/span><span class='easy-footnote'><a href='https:\/\/legrandcontinent.eu\/de\/2022\/04\/28\/wirtschaftspolitik-im-krieg\/#easy-footnote-bottom-16-452' title='&amp;nbsp;&lt;a href=&quot;https:\/\/fred.stlouisfed.org\/series\/DCOILBRENTEU&quot;&gt;Fred Roh\u00f6lpreise (Brent)&lt;\/a&gt;.'><sup>16<\/sup><\/a><\/span><\/span>. Angenommen, der Preis steigt von 78 $ auf 100 $, also um etwa 25 %. Die \u00d6limporte (aus Russland und anderen L\u00e4ndern) der EU-27 beliefen sich im Jahr 2021 auf 5.900 Millionen Barrel. Ein solcher Preisanstieg w\u00fcrde f\u00fcr die Europ\u00e4ische Union einen R\u00fcckgang des Realeinkommens um 5.900 *0,25*100\/1,1 (f\u00fcr den Dollar-Euro-Wechselkurs) bedeuten, also 120 Milliarden Euro oder 0,9 Prozent des BIP 2019&nbsp;<span class='whitespace-nowrap'><span id='easy-footnote-17-452' class='easy-footnote-margin-adjust'><\/span><span class='easy-footnote'><a href='https:\/\/legrandcontinent.eu\/de\/2022\/04\/28\/wirtschaftspolitik-im-krieg\/#easy-footnote-bottom-17-452' title='Quelle f\u00fcr \u00d6limporte: Energiebilanzen, &lt;a href=&quot;https:\/\/ec.europa.eu\/eurostat\/web\/energy\/data\/energy-balances&quot;&gt;Eurostat&lt;\/a&gt;.'><sup>17<\/sup><\/a><\/span><\/span>.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch die Gasm\u00e4rkte haben sich von den hohen Preisen im Februar erholt, bleiben aber auf hohem Niveau. Gehen wir davon aus, dass der prozentuale Anstieg des durchschnittlichen Gaspreises in der Europ\u00e4ischen Union dem des \u00d6lpreises entspricht, also etwa 25 %. Die Gasimporte (aus Russland und anderen L\u00e4ndern) beliefen sich im Jahr 2021 auf 170 Milliarden Euro. Das bedeutet einen R\u00fcckgang des Realeinkommens der Europ\u00e4ischen Union um 170 * 0,25 \u2248 42 Mrd. EUR oder 0,3 % des BIP 2019.<\/p>\n\n\n\n<p>Unter diesen relativ moderaten Annahmen w\u00fcrde der kriegsbedingte Anstieg der \u00d6l- und Gaspreise das Realeinkommen der Europ\u00e4ischen Union um etwas mehr als 1 % des BIP schm\u00e4lern. Das k\u00e4me jedoch zu den Auswirkungen der bisherigen Preiserh\u00f6hungen seit 2019 hinzu. Insgesamt &#8211; und ohne Ber\u00fccksichtigung der Sperrfrist im Jahr 2020, in der Preise und Mengen eingebrochen sind &#8211; h\u00e4tten die Energieimporte der EU, die 2019 2,6 % des BIP betrugen, mehr als 5 % des BIP erreicht, wenn die Preise auf dem Niveau von Anfang 2022 geblieben w\u00e4ren. Auf der Grundlage unserer Annahmen w\u00fcrden sie auf mehr als 6 % steigen&nbsp;<span class='whitespace-nowrap'><span id='easy-footnote-18-452' class='easy-footnote-margin-adjust'><\/span><span class='easy-footnote'><a href='https:\/\/legrandcontinent.eu\/de\/2022\/04\/28\/wirtschaftspolitik-im-krieg\/#easy-footnote-bottom-18-452' title='Gem\u00e4\u00df unseren Berechnungen, die auf der Auswertung von Prim\u00e4renergiefl\u00fcssen mit unseren Preisannahmen beruhen.'><sup>18<\/sup><\/a><\/span><\/span>. Nach jedem Standard ist dies ein gro\u00dfer makro\u00f6konomischer Schock mit schwerwiegenden Konsequenzen f\u00fcr Einkommen, Produktion und Inflation. Diese Konsequenzen wollen wir im weiteren n\u00e4her betrachten.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-pullquote\"><blockquote><p>Nach jedem Standard ist dies ein gro\u00dfer makro\u00f6konomischer Schock mit schwerwiegenden Konsequenzen f\u00fcr Einkommen, Produktion und Inflation. Diese Konsequenzen wollen wir im weiteren n\u00e4her betrachten.<\/p><cite>Olivier Blanchard und Jean Pisani-Ferry<\/cite><\/blockquote><\/figure>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Verteilungseffekte&nbsp;<\/h3>\n\n\n\n<p>Neben dem kumulierten Verlust an Realeinkommen sind auch Verteilungseffekte von Bedeutung. Der Konsum von Gas, Versorgungsleistungen und Lebensmitteln (als Anteil am Gesamtkonsum) ist bei Haushalten mit niedrigem Einkommen h\u00f6her als bei Haushalten mit hohem Einkommen. Allerdings gibt es deutliche Unterschiede zwischen den L\u00e4ndern: Auf der Grundlage der Eurostat-Daten ist der Unterschied in den skandinavischen L\u00e4ndern gering, z.B. 26 Prozent f\u00fcr das unterste Einkommensquintil gegen\u00fcber 25 Prozent f\u00fcr das oberste Quintil in D\u00e4nemark. In Frankreich und Deutschland ist er gr\u00f6\u00dfer: 25 Prozent gegen\u00fcber 21 Prozent in Frankreich, 26 Prozent gegen\u00fcber 21 Prozent in Deutschland. In den \u00e4rmeren L\u00e4ndern ist sie sogar noch gr\u00f6\u00dfer, z.B. 31 % gegen\u00fcber 23 % in Spanien und 50 % gegen\u00fcber 37 % in Bulgarien&nbsp;<span class='whitespace-nowrap'><span id='easy-footnote-19-452' class='easy-footnote-margin-adjust'><\/span><span class='easy-footnote'><a href='https:\/\/legrandcontinent.eu\/de\/2022\/04\/28\/wirtschaftspolitik-im-krieg\/#easy-footnote-bottom-19-452' title='Diese Zahlen werden als das Verh\u00e4ltnis von Nahrungsmittelverbrauch (CP01) plus Strom, Gas und andere Brennstoffe (CP045) plus Betrieb von pers\u00f6nlichen Transportmitteln (CP072) zum Gesamtverbrauch f\u00fcr jedes Quintil berechnet. Die Zahlen stammen aus Eurostat-data.xlsx.'><sup>19<\/sup><\/a><\/span><\/span>&nbsp;<span class='whitespace-nowrap'><span id='easy-footnote-20-452' class='easy-footnote-margin-adjust'><\/span><span class='easy-footnote'><a href='https:\/\/legrandcontinent.eu\/de\/2022\/04\/28\/wirtschaftspolitik-im-krieg\/#easy-footnote-bottom-20-452' title='Manche der ver\u00f6ffentlichten Zahlen erscheinen wesentlich h\u00f6her. So geben die BLS-Daten f\u00fcr die Vereinigten Staaten f\u00fcr das Jahr 2020 ein Verh\u00e4ltnis des Verbrauchs von Lebensmitteln, Verkehr und Versorgungsleistungen zum verf\u00fcgbaren Einkommen von 74 % f\u00fcr das unterste Quintil gegen\u00fcber 20 % f\u00fcr das oberste Quintil an. Dies ist jedoch zum Teil auf unterschiedliche Definitionen des kleineren Verbrauchskorb zur\u00fcckzuf\u00fchren, oder darauf, dass das Verh\u00e4ltnis des Verbrauchs von Gas, Versorgungsleistungen und Lebensmitteln zum verf\u00fcgbaren Einkommen und nicht zum Konsum betrachtet wird. Im unteren Quintil befinden sich viele Einzelpersonen und Haushalte, die nicht sparen und deren verf\u00fcgbares Einkommen im Verh\u00e4ltnis zum Konsum gering ist.'><sup>20<\/sup><\/a><\/span><\/span>. Zudem sind die Konsummuster der Haushalte mit niedrigem Einkommen oft starrer, da ein gr\u00f6\u00dferer Teil ihres Einkommens f\u00fcr Mieten und andere monatliche Zahlungen aufgewandt wird, die nicht ohne weiteres ge\u00e4ndert werden k\u00f6nnen. Neben von den Gesamteffekten auf Produktion und Inflation muss also auch ber\u00fccksichtigt werden, dass arme Haushalte st\u00e4rker unter einem Anstieg der Rohstoffpreise leiden als reichere. Dies hat klare Implikationen f\u00fcr die Fiskalpolitik.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">4<strong>&nbsp;&nbsp;&nbsp; Implikationen f\u00fcr die Politik<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Wir wenden uns endlich den Reaktionen der Fiskal- und Geldpolitik zu. Kurzfristig ist die wesentliche Frage &#8211; und Grund f\u00fcr potentiell hohe Ausgaben &#8211; ob und wie Konsumenten von Rohstoff-Preiserh\u00f6hungen gesch\u00fctzt werden k\u00f6nnen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Steuer- und Transferma\u00dfnahmen<\/h3>\n\n\n\n<p>Unter unseren Annahmen betr\u00e4gt der mediane Preisanstieg des Warenkorbs, bei gegebenen L\u00f6hnen, in etwa 2 %&nbsp;<span class='whitespace-nowrap'><span id='easy-footnote-21-452' class='easy-footnote-margin-adjust'><\/span><span class='easy-footnote'><a href='https:\/\/legrandcontinent.eu\/de\/2022\/04\/28\/wirtschaftspolitik-im-krieg\/#easy-footnote-bottom-21-452' title='Aufbauend auf den obigen Ausf\u00fchrungen zur Inflation, wird der Erstrundeneffekt in dem Ma\u00dfe geringer sein wird als die im Text angegebene Zahl, in dem die Hersteller von Endprodukten den Anstieg der Rohstoffpreise nicht in vollem Umfang widerspiegeln und eine Senkung ihrer Gewinnspanne in Kauf nehmen. Wenn sie jedoch im Laufe der Zeit ihre Aufschl\u00e4ge wieder erh\u00f6hen, ist die Zahl im Text relevant.'><sup>21<\/sup><\/a><\/span><\/span>. Doch die Abnahme des Realeinkommens f\u00fcr die unterste Einkommensquintile der am st\u00e4rksten betroffenen L\u00e4nder (z.B. die Slowakei) war doppelt so hoch, 4 Prozent. Das ist eine sehr gro\u00dfe Zahl, wenn man wei\u00df dass die Verteilung von Einkommenseffekten auf Haushalte, in Abh\u00e4ngigkeit von den Lebensbedingungen, selbst innerhalb einer Einkommensstufe hoch sein kann und ber\u00fccksichtigt, das die Anstiege der G\u00fcterpreise h\u00f6her sein k\u00f6nnen als in unserer Annahme&nbsp;<span class='whitespace-nowrap'><span id='easy-footnote-22-452' class='easy-footnote-margin-adjust'><\/span><span class='easy-footnote'><a href='https:\/\/legrandcontinent.eu\/de\/2022\/04\/28\/wirtschaftspolitik-im-krieg\/#easy-footnote-bottom-22-452' title='F\u00fcr Frankreichs liefert Douenne (2019) Belege f\u00fcr die vertikale und horizontale Streuung der Auswirkungen einer Kohlenstoffsteuer.'><sup>22<\/sup><\/a><\/span><\/span>.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-pullquote\"><blockquote><p>Unter unseren Annahmen betr\u00e4gt der mediane Preisanstieg des Warenkorbs, bei gegebenen L\u00f6hnen, in etwa 2 %.<\/p><cite>Olivier Blanchard und Jean Pisani-Ferry<\/cite><\/blockquote><\/figure>\n\n\n\n<p>Die Frage ist dann, wie sehr und auf welche Weise die Haushalte gesch\u00fctzt werden k\u00f6nnen. Seit die Energiepreise Ende 2021 angestiegen sind, haben die EU-Mitgliedsstaaten eine Reihe von Programmen eingef\u00fchrt, die alle darauf abzielen den Schock zu d\u00e4mpfen. Diese Programme k\u00f6nnen in drei Kategorien gefasst werden&nbsp;<span class='whitespace-nowrap'><span id='easy-footnote-23-452' class='easy-footnote-margin-adjust'><\/span><span class='easy-footnote'><a href='https:\/\/legrandcontinent.eu\/de\/2022\/04\/28\/wirtschaftspolitik-im-krieg\/#easy-footnote-bottom-23-452' title='Im Oktober 2021 stellte die Europ\u00e4ische Kommission eine &lt;a href=&quot;https:\/\/ec.europa.eu\/commission\/presscorner\/detail\/en\/IP_21_5204&quot;&gt;&lt;em&gt;Toolbox&lt;\/em&gt;&lt;\/a&gt; mit Ma\u00dfnahmen zur Bew\u00e4ltigung der Energiesituation vor, die von den Mitgliedstaaten als realistische Optionen in Betracht gezogen werden k\u00f6nnen.'><sup>23<\/sup><\/a><\/span><\/span>.<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>Vor\u00fcbergehende Senkung der Energiesteuern.<\/strong> <\/em>Eine erste M\u00f6glichkeit sind direkte Pauschalsubventionen, zum Beispiel in Form von Senkungen oder R\u00fcckerstattungen der in den meisten EU-L\u00e4ndern hohen Energiesteuern. Frankreich beispielsweise hat im Februar eine einj\u00e4hrige Senkung der Stromsteuer (mit Kosten in H\u00f6he von 8 Milliarden Euro oder 0,3 Prozent des BIP) und am 1. April eine Senkung der Benzinsteuer um 15 Cent pro Liter f\u00fcr einen Zeitraum von vier Monaten eingef\u00fchrt, mit gesch\u00e4tzten Kosten von 2,2 Milliarden Euro, etwa 0,1 Prozent des BIP&nbsp;<span class='whitespace-nowrap'><span id='easy-footnote-24-452' class='easy-footnote-margin-adjust'><\/span><span class='easy-footnote'><a href='https:\/\/legrandcontinent.eu\/de\/2022\/04\/28\/wirtschaftspolitik-im-krieg\/#easy-footnote-bottom-24-452' title='F\u00fcr Details&amp;nbsp; zu den franz\u00f6sischen Ma\u00dfnahmen (\u201c&lt;em&gt;bouclier tarifaire\u201d&lt;\/em&gt;)&lt;em&gt; &lt;\/em&gt;siehe Gouvernement fran\u00e7ais (2022).'><sup>24<\/sup><\/a><\/span><\/span>. Diese Subvention ist als Notl\u00f6sung gedacht, bis im Fr\u00fchsommer ein gezielteres System eingef\u00fchrt wird. Sie ist gut sichtbar, was ein politischer Vorteil ist. \u00c4hnliche befristete Senkungen der Verbrauchersteuern wurden bereits anderswo eingef\u00fchrt, insbesondere in Deutschland, wo am 23. M\u00e4rz die Benzinsteuer um 30 Cent pro Liter gesenkt wurde&nbsp;<span class='whitespace-nowrap'><span id='easy-footnote-25-452' class='easy-footnote-margin-adjust'><\/span><span class='easy-footnote'><a href='https:\/\/legrandcontinent.eu\/de\/2022\/04\/28\/wirtschaftspolitik-im-krieg\/#easy-footnote-bottom-25-452' title='&amp;nbsp;Siehe &lt;a href=&quot;https:\/\/www.bundesfinanzministerium.de\/Content\/DE\/Downloads\/2022-03-23-massnahmenpaket-bund-hohe-energiekosten.pdf?__blob=publicationFile&amp;amp;v=3&quot;&gt;Ma\u00dfnahmenpaket des Bundes zum Umgang mit den hohen Energiekosten&lt;\/a&gt; vom 23.M\u00e4rz. Ein weiteres &lt;a href=&quot;https:\/\/www.bundesfinanzministerium.de\/Content\/DE\/Downloads\/schutzschild-fuer-vom-krieg-betroffene-Unternehmen-massnahmenueberblick.pdf?__blob=publicationFile&amp;amp;v=3&quot;&gt;B\u00fcndel an Ma\u00dfnahmen&lt;\/a&gt; zur Unterst\u00fctzung der betroffenen Unternehmen wurde am 8. April eingef\u00fchrt.'><sup>25<\/sup><\/a><\/span><\/span>.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Pauschale Transfers.<\/em> <\/strong>Ein alternativer Ansatz ist die Bereitstellung von Transferleistungen, die unabh\u00e4ngig vom Verbrauch von Lebensmitteln, \u00d6l und Gas sind. Deutschland beispielsweise f\u00fchrte am 23. M\u00e4rz eine universelle Energiepreis-Pauschale von 300 \u20ac pro Person plus Zuschl\u00e4ge f\u00fcr Kinder ein. Frankreich f\u00fchrte im vergangenen Jahr eine Inflationsabgeltung von 100 \u20ac ein, die automatisch an Personen mit einem Einkommen von h\u00f6chstens 2.000 \u20ac im Monat gezahlt wird und 3,8 Mrd. \u20ac bzw. etwa 0,2 % des BIP kostet&nbsp;<span class='whitespace-nowrap'><span id='easy-footnote-26-452' class='easy-footnote-margin-adjust'><\/span><span class='easy-footnote'><a href='https:\/\/legrandcontinent.eu\/de\/2022\/04\/28\/wirtschaftspolitik-im-krieg\/#easy-footnote-bottom-26-452' title='Diese Zahlung wurde bereits 2021 eingef\u00fchrt, d.h. vor dem Russland-Ukraine-Krieg, um den damals schon betr\u00e4chtlichen Preisanstieg f\u00fcr verschiedene Rohstoffe zu kompensieren.'><sup>26<\/sup><\/a><\/span><\/span>. Es ist unwahrscheinlich, dass solche Ma\u00dfnahmen die Marktpreise f\u00fcr Lebensmittel, \u00d6l und Gas wesentlich beeinflussen (nur in dem Ma\u00dfe, in dem das zus\u00e4tzliche Einkommen f\u00fcr diese G\u00fcter ausgegeben wird), so dass die Transfers haupts\u00e4chlich an die Verbraucher und nicht an die Rohstoffproduzenten gehen.<\/p>\n\n\n\n<p>M\u00f6glicherweise lassen sich die Transfers gezielter einsetzen, um diejenigen besser zu sch\u00fctzen, die sowohl ein geringes Einkommen haben als auch einen gr\u00f6\u00dferen Teil davon f\u00fcr Lebensmittel, \u00d6l und Gas ausgeben. Im Falle von Strom k\u00f6nnte man beispielsweise die Transfers proportional zur letzten Stromrechnung gestalten und sie in Kombination mit den Informationen \u00fcber das Haushaltseinkommen auf diejenigen beschr\u00e4nken, deren Einkommen unter einer bestimmten Schwelle liegt. Oder es k\u00f6nnten Benzinschecks &#8211; ein bestimmter Geldbetrag, der nur f\u00fcr Energie oder Benzin ausgegeben werden darf &#8211; ausgestellt werden; in der Tat gibt es in Frankreich einen Energie-Scheck und in den Vereinigten Staaten wird ein Benzin-Scheck diskutiert. Sofern der Scheck geringer ist als die Energieausgaben des Empf\u00e4ngers, hat diese Ma\u00dfnahme keinen Einfluss auf den Grenzpreis, mit dem er konfrontiert ist, und somit auch keine Anreize zur Verringerung des Energieverbrauchs. Die politische Akzeptanz k\u00f6nnte jedoch geringer sein als bei pauschalen Subventionen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>Preisregulierung. <\/strong>E<\/em>in weiterer Ansatz besteht darin, einige Preise, wie den Strompreis, von den marginalen Kosten zu entkoppeln. Die Frage ist angesichts der extrem starken Schwankungen des Marktpreises f\u00fcr Erdgas &#8211; das die relevanten Grenzkosten bei der Stromerzeugung darstellt &#8211; besonders brisant geworden. Vor allem Spanien hat die inflation\u00e4re Wirkung der Strompreise lautstark kritisiert und im M\u00e4rz die Genehmigung der EU erhalten, die iberische Halbinsel vor\u00fcbergehend vom EU-Strommarkt abzukoppeln. Frankreich hat den gr\u00f6\u00dften Stromversorger des Landes aufgefordert, den Preisanstieg f\u00fcr 2022 auf 4 Prozent zu begrenzen und die Nachfrage zu diesem Preis zu befriedigen, wodurch das Unternehmen einen gro\u00dfen Teil der Kosten \u00fcbernehmen muss, was zu einem gro\u00dfen erwarteten R\u00fcckgang des Cashflows und einem gro\u00dfen R\u00fcckgang des Marktwerts f\u00fchrt. Dies f\u00fchrt zu einer Ineffizienz, da der Preis unter den marginalen Kosten liegt, erm\u00f6glicht aber einen potenziell gro\u00dfen Anstieg der Konsumentenrente &#8211; auf Kosten eines gr\u00f6\u00dferen R\u00fcckgangs der Produzentenrente. Unter dem Gesichtspunkt der Wohlfahrt kann der Gewinn an Realeinkommen der Verbraucher den Effizienzverlust durchaus \u00fcberwiegen&nbsp;<span class='whitespace-nowrap'><span id='easy-footnote-27-452' class='easy-footnote-margin-adjust'><\/span><span class='easy-footnote'><a href='https:\/\/legrandcontinent.eu\/de\/2022\/04\/28\/wirtschaftspolitik-im-krieg\/#easy-footnote-bottom-27-452' title='F\u00fcr mehr zu den von den EU-Mitgliedern ergriffenen Ma\u00dfnahmen, einschlie\u00dflich Subventionen, Transfers und Preisregelungen,&amp;nbsp; siehe &lt;a href=&quot;https:\/\/www.bruegel.org\/publications\/datasets\/national-policies-to-shield-consumers-from-rising-energy-prices\/&quot;&gt;Sgaravatti, Tagliapietra, and Zachmann&lt;\/a&gt; (2022).&amp;nbsp;'><sup>27<\/sup><\/a><\/span><\/span>.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-pullquote\"><blockquote><p>Frankreich hat den gr\u00f6\u00dften Stromversorger des Landes aufgefordert, den Preisanstieg f\u00fcr 2022 auf 4 Prozent zu begrenzen und die Nachfrage zu diesem Preis zu befriedigen, wodurch das Unternehmen einen gro\u00dfen Teil der Kosten \u00fcbernehmen muss, was zu einem gro\u00dfen erwarteten R\u00fcckgang des Cashflows und einem gro\u00dfen R\u00fcckgang des Marktwerts f\u00fchrt.<\/p><cite>Olivier Blanchard und Jean Pisani-Ferry<\/cite><\/blockquote><\/figure>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">M\u00f6gliche perverse Effekte von Subventionen<\/h3>\n\n\n\n<p>Es gibt zwei wesentliche Einw\u00e4nde gegen Subventionen. Der erste besteht darin, dass sie die Nachfrage nach Energie erh\u00f6hen und so dazu beitragen, die Energiepreise hoch zu halten&nbsp;<span class='whitespace-nowrap'><span id='easy-footnote-28-452' class='easy-footnote-margin-adjust'><\/span><span class='easy-footnote'><a href='https:\/\/legrandcontinent.eu\/de\/2022\/04\/28\/wirtschaftspolitik-im-krieg\/#easy-footnote-bottom-28-452' title='Zudem widersprechen sie der notwendigen Dekarbonisierung des Energiesystems.'><sup>28<\/sup><\/a><\/span><\/span>. Das Problem ist aus der g\u00e4ngigen Diskussion \u00fcber die Steuerinzidenz bekannt. Betrachten wir die Subventionen f\u00fcr verschiedene Verwendungszwecke von \u00d6l. Die Auswirkungen auf die Verbraucherpreise h\u00e4ngen davon ab, was mit dem Marktpreis f\u00fcr \u00d6l geschieht. Verwendet nur ein Land solche Subventionen und ist es im Verh\u00e4ltnis zum Weltmarkt klein, so wird sich der Weltmarktpreis nicht \u00e4ndern und die Subvention wird sich eins zu eins in einem niedrigeren Verbraucherpreis niederschlagen. Wenn jedoch alle EU-L\u00e4nder und m\u00f6glicherweise auch andere L\u00e4nder wie die Vereinigten Staaten solche Subventionen einf\u00fchren, so ist die ma\u00dfgebliche Angebotskurve die Weltangebotskurve, die auf kurze Sicht unelastisch ist. Im Extremfall, wenn die Angebotskurve v\u00f6llig unelastisch ist, wird die Wirkung darin bestehen, den Marktpreis eins zu eins zu erh\u00f6hen und den Verbraucherpreis unber\u00fchrt zu lassen&nbsp;<span class='whitespace-nowrap'><span id='easy-footnote-29-452' class='easy-footnote-margin-adjust'><\/span><span class='easy-footnote'><a href='https:\/\/legrandcontinent.eu\/de\/2022\/04\/28\/wirtschaftspolitik-im-krieg\/#easy-footnote-bottom-29-452' title='Die Steigung der Angebotskurve war Gegenstand einer &lt;a href=&quot;https:\/\/twitter.com\/jasonfurman\/status\/1496483717027618826?s=20&amp;amp;t=Q1d9GIf5i7J1c9T9XaI0UA&quot;&gt;Twitter-Diskussion zwischen Paul Krugman und Jason Furman&lt;\/a&gt;.'><sup>29<\/sup><\/a><\/span><\/span>. Mit anderen Worten: Die Subventionen gehen an die \u00d6lproduzenten, einschlie\u00dflich Russland. In der Praxis wird das Ergebnis wahrscheinlich weniger als eine eins zu eins Auswirkung der Subventionen auf die Marktpreise sein, aber es ist immer noch unattraktiv.<\/p>\n\n\n\n<p>Der zweite, spezifischere, aber h\u00f6chst relevante Einwand lautet, dass Subventionen einem m\u00f6glichen zuk\u00fcnftigen Strafzoll zuwiderlaufen und Russlands Position in seiner Konfrontation mit der Europ\u00e4ischen Union st\u00e4rken k\u00f6nnten. Wie im vorangegangenen Abschnitt er\u00f6rtert, w\u00fcrde ein Strafzoll auf Gas sowohl den Preis als auch das Volumen der russischen Exporte senken, w\u00e4hrend die entsprechenden Einnahmen dazu verwendet werden k\u00f6nnten, die Auswirkungen auf die Verbraucher abzumildern. Die Frage ist jedoch, wie diese Subvention gestaltet werden sollte. Eine direkte inl\u00e4ndische Gaspreissubvention, wie etwa eine Senkung der indirekten Gassteuern, w\u00fcrde die Nachfrage nach Gas und den von Russland verlangten Preis erh\u00f6hen und so die Auswirkungen der Z\u00f6lle ausgleichen. Die Regierungen sollten die Einnahmen aus einem Zoll auf russisches Gas nicht dazu verwenden, den Energieverbrauch in einer Weise zu subventionieren, die den Grenzpreis f\u00fcr Gas auf dem europ\u00e4ischen Markt senkt. Sie sollten sich vielmehr auf Transferregelungen st\u00fctzen, die den Grenzpreis nicht beeinflussen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-pullquote\"><blockquote><p>Die Regierungen sollten die Einnahmen aus einem Zoll auf russisches Gas nicht dazu verwenden, den Energieverbrauch in einer Weise zu subventionieren, die den Grenzpreis f\u00fcr Gas auf dem europ\u00e4ischen Markt senkt. Sie sollten sich vielmehr auf Transferregelungen st\u00fctzen, die den Grenzpreis nicht beeinflussen.<\/p><cite>Olivier Blanchard und Jean Pisani-Ferry<\/cite><\/blockquote><\/figure>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Steuern vs. Schuldenfinanzierung<\/h3>\n\n\n\n<p>Die n\u00e4chste Frage ist, inwieweit die fiskalischen Ma\u00dfnahmen durch zus\u00e4tzliche Steuern oder durch Fremdfinanzierung finanziert werden sollten. Zolleinnahmen k\u00f6nnten hilfreich sein, aber wie wir bereits er\u00f6rtert haben, d\u00fcrften die Z\u00f6lle bei \u00d6l kaum Einnahmen bringen; bei Gas werden sie wahrscheinlich mehr einbringen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die unmittelbaren diskretion\u00e4ren Haushaltsausgaben bestehen im Wesentlichen aus Beschaffungen im Verteidigungsbereich (einschlie\u00dflich der Lieferung von Waffen an die Ukraine), Hilfe f\u00fcr Fl\u00fcchtlinge, Ma\u00dfnahmen zur Unterst\u00fctzung der Haushalte und Notfallinvestitionen zur Anpassung des Energiesystems. Unter unseren Preisannahmen sind die fiskalischen Kosten gering bis \u00fcberschaubar: Im Jahr 2022 d\u00fcrften sie ein Sechstel eines Prozentpunkts des EU-BIP f\u00fcr die Verteidigung, ein Drittel f\u00fcr die Fl\u00fcchtlingshilfe und, je nach den Entscheidungen der einzelnen Mitgliedstaaten, zwischen einem halben und einem ganzen Prozentpunkt f\u00fcr Ma\u00dfnahmen zur Unterst\u00fctzung der Haushalte nicht \u00fcberschreiten&nbsp;<span class='whitespace-nowrap'><span id='easy-footnote-30-452' class='easy-footnote-margin-adjust'><\/span><span class='easy-footnote'><a href='https:\/\/legrandcontinent.eu\/de\/2022\/04\/28\/wirtschaftspolitik-im-krieg\/#easy-footnote-bottom-30-452' title='Das deutsche Unterst\u00fctzungsprogramm besteht aus zwei Paketen von je 15 Mrd \u20ac.&amp;nbsp;'><sup>30<\/sup><\/a><\/span><\/span>. Eine schwierigere Frage ist, wieviel Investitionen in die Notstromversorgung kosten k\u00f6nnten. Wir haben keine genaue Sch\u00e4tzung, gehen aber davon aus, dass sie einen halben Prozentpunkt nicht \u00fcberschreiten d\u00fcrften. Insgesamt d\u00fcrften die diskretion\u00e4ren fiskalischen Kosten des Krieges also zwischen 1,5 und 2,0 % des BIP liegen. Dies w\u00e4re weniger als die H\u00e4lfte der fiskalischen Kosten der Pandemie-Unterst\u00fctzungsma\u00dfnahmen, die sich in Europa im Jahr 2020 typischerweise auf 4 % des BIP beliefen.<\/p>\n\n\n\n<p>Sollten diese zus\u00e4tzlichen Ausgaben durch Steuern oder Schulden finanziert werden?<\/p>\n\n\n\n<p>Aus herk\u00f6mmlichen finanzpolitischen Gesichtspunkten gibt es gute Argumente daf\u00fcr, teilweise auf eine Schuldenfinanzierung zur\u00fcckzugreifen. Ein Teil des Ausgabenanstiegs wird wahrscheinlich vor\u00fcbergehend sein, was eine Steuergl\u00e4ttung rechtfertigt.<\/p>\n\n\n\n<p>Aus Sicht der politischen \u00d6konomie ist der Gedanke einer Kriegssteuer &#8211; einer &#8222;Putin-Steuer&#8220;, wie sie Pr\u00e4sident Biden in den Vereinigten Staaten genannt hat, obwohl er sich eher auf die Verringerung des Realeinkommens als auf eine explizite Steuer bezog &#8211; m\u00f6glicherweise weniger unpopul\u00e4r als unter anderen Umst\u00e4nden und unterstreicht den Punkt, dass ein Krieg, selbst ein Wirtschaftskrieg, entgegen der derzeitigen Wahrnehmung in Westeuropa nicht kostenlos ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Unter dem Gesichtspunkt der makro\u00f6konomischen Stabilisierung spricht vieles daf\u00fcr, sich weitgehend auf eine Schuldenfinanzierung zu verlassen. Der R\u00fcckgang des Realeinkommens in der Europ\u00e4ischen Union ist betr\u00e4chtlich und wird wahrscheinlich zu einem geringeren Konsum f\u00fchren. Die Exportnachfrage aus Russland wird voraussichtlich drastisch sinken. Die gr\u00f6\u00dfere Unsicherheit, die w\u00e4hrend der Covid-Krise eine gro\u00dfe Rolle bei der Verringerung von Konsum und Investitionen gespielt hat, k\u00f6nnte erneut eine wesentliche Rolle spielen. Um die h\u00f6heren Ausgaben auszugleichen, werden wahrscheinlich fiskalische Unterst\u00fctzung und der R\u00fcckgriff auf Schuldenfinanzierung statt auf Steuererh\u00f6hungen erforderlich sein&nbsp;<span class='whitespace-nowrap'><span id='easy-footnote-31-452' class='easy-footnote-margin-adjust'><\/span><span class='easy-footnote'><a href='https:\/\/legrandcontinent.eu\/de\/2022\/04\/28\/wirtschaftspolitik-im-krieg\/#easy-footnote-bottom-31-452' title='In diesem Zusammenhang ist es interessant, dass Deutschland beschlossen hat, beide Ans\u00e4tze zu kombinieren, indem es einen Verteidigungsfonds durch Schulden in H\u00f6he von 3 Prozent des BIP finanziert und sich gleichzeitig verpflichtet, die st\u00e4ndige Erh\u00f6hung der Milit\u00e4rausgaben durch Steuern zu finanzieren.'><sup>31<\/sup><\/a><\/span><\/span>.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-pullquote\"><blockquote><p>Entgegen der derzeitigen Wahrnehmung in Westeuropa ist ein Krieg, selbst ein Wirtschaftskrieg, nicht kostenlos ist.<\/p><cite>Olivier Blanchard und Jean Pisani-Ferry<\/cite><\/blockquote><\/figure>\n\n\n\n<p>Dies wirft die \u00fcbliche Frage nach der Tragf\u00e4higkeit der Verschuldung auf (eine Frage, die einer der Autoren in anderen Schriften ausf\u00fchrlich behandelt hat)&nbsp;<span class='whitespace-nowrap'><span id='easy-footnote-32-452' class='easy-footnote-margin-adjust'><\/span><span class='easy-footnote'><a href='https:\/\/legrandcontinent.eu\/de\/2022\/04\/28\/wirtschaftspolitik-im-krieg\/#easy-footnote-bottom-32-452' title='Olivier Blanchard, \u201cFiscal policy under low interest rates\u201d (2023).'><sup>32<\/sup><\/a><\/span><\/span>. Es mag zwar durchaus sein, dass eine nachlassende Inflation vor\u00fcbergehend h\u00f6here Realzinsen erfordert, doch die Faktoren, die hinter den niedrigen neutralen Realzinsen stehen, haben sich nicht ge\u00e4ndert, und &#8211; vorausgesetzt, die Inflation bleibt unter Kontrolle, so dass das Inflationsrisiko nicht anf\u00e4ngt, in die realen Anleihezinsen eingepreist zu werden &#8211; sollte der neutrale Zinssatz nach einem Ansto\u00df mittelfristig niedrig bleiben. Bislang hat sich gezeigt, dass die 10-j\u00e4hrigen Benchmark-Anleihezinsen seit Kriegsbeginn nur um 50 Basispunkte gestiegen sind, was angesichts des Ausma\u00dfes des geopolitischen und wirtschaftlichen Schocks eine begrenzte Anpassung nach oben darstellt (Abbildung 4).<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-wp-embed is-provider-datawrapper wp-block-embed-datawrapper\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\nhttps:\/\/datawrapper.dwcdn.net\/RIrhv\/2\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<p>Kurzfristig d\u00fcrfte die Schuldendynamik \u00e4u\u00dferst g\u00fcnstig bleiben. Die M\u00e4rz-Prognosen der EZB (2022a) f\u00fcr das reale BIP-Wachstum, die nominalen Leitzinsen und die Inflation im Euroraum f\u00fcr 2022 liegen bei 3,7 %, 0,8 % (f\u00fcr die 10-j\u00e4hrige Rendite) und 5,1 %. Dies impliziert einen Wert f\u00fcr (r &#8211; g) von (0,8 Prozent &#8211; 5,1 Prozent &#8211; 3,7 Prozent) = -8 Prozent&nbsp;<span class='whitespace-nowrap'><span id='easy-footnote-33-452' class='easy-footnote-margin-adjust'><\/span><span class='easy-footnote'><a href='https:\/\/legrandcontinent.eu\/de\/2022\/04\/28\/wirtschaftspolitik-im-krieg\/#easy-footnote-bottom-33-452' title='Die EZB stellt noch zwei weitere Szenarien auf, ein ung\u00fcnstiges und ein pessimistisches. Im pessimistischen Szenario liegt das Wachstum bei 2,3 %, die 10-j\u00e4hrige Rendite bei 0,8 % und die Inflation bei 7,1 %, was einen Wert von (r &amp;#8211; g) von -8,6 % bedeutet.'><sup>33<\/sup><\/a><\/span><\/span>. In Verbindung mit einer Schuldenquote von 98 % w\u00fcrde dies den EU-Regierungen insgesamt erlauben, Prim\u00e4rdefizite von 8 % zu erzielen, w\u00e4hrend die Schuldenquoten konstant bleiben. Es besteht also ein erheblicher Spielraum, um bei Bedarf vor\u00fcbergehend gr\u00f6\u00dfere Defizite zu erzeugen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Geldpolitik<\/h3>\n\n\n\n<p>Der typische Ratschlag an eine Zentralbank, die mit einem Anstieg der Rohstoffpreise konfrontiert ist, lautet, die Erstrundeneffekte abzufedern (gegen die sie ohnehin nicht viel ausrichten kann) und die Folgerundeneffekte zu begrenzen, gegebenenfalls durch eine geringere Produktion und h\u00f6here Arbeitslosigkeit, bis die Inflation wieder dem Zielwert entspricht <em>(Blanchard und Gal\u00ed 2007).<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Man kann davon ausgehen, dass die Unternehmen ihren Gewinnaufschlag schlie\u00dflich wiederherstellen werden. Wie stark die Zentralbank eingreifen und die Konjunktur bremsen muss, h\u00e4ngt also sehr stark vom Verhalten der L\u00f6hne ab. Nachdem ihre Reall\u00f6hne in der ersten Runde gesunken sind, werden die Arbeitnehmer ihren R\u00fcckstand aufholen wollen und eine Nominallohnerh\u00f6hung fordern. Und wenn sie erwarten, dass die Inflation hoch bleibt, werden sie zus\u00e4tzlich einen h\u00f6heren Nominallohnanstieg fordern. Die St\u00e4rke dieses ersten Effekts, d. h. der Wunsch der Arbeitnehmer, aufzuholen, h\u00e4ngt unter anderem davon ab, wie stark die Reallohneinbu\u00dfen in der ersten Runde ausfallen und wie stark die Verhandlungsposition der Arbeitnehmer ist, d. h. wie angespannt die Lage auf dem Arbeitsmarkt ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Die St\u00e4rke des zweiten Effekts, der erwarteten Inflation, h\u00e4ngt von der Glaubw\u00fcrdigkeit der Strategie der Zentralbank und ihrer Verpflichtung ab, die Inflation auf ihren Zielwert zur\u00fcckzuf\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n<p>In diesem Zusammenhang gibt es eine wichtige Wechselwirkung zwischen der Steuer- und der Geldpolitik. Um noch einmal auf die verschiedenen Schutzma\u00dfnahmen zur\u00fcckzukommen, die Regierungen einsetzen k\u00f6nnen: Preissubventionen &#8211; soweit sie den Anstieg der Verbraucherpreise mechanisch verringern &#8211; oder Preisobergrenzen (wie im Falle der Abkopplung des Strompreises von den Grenzkosten) verringern die Inflation in der ersten Runde und begrenzen somit den anf\u00e4nglichen R\u00fcckgang des Reallohns. Dies wiederum verringert den Lohndruck in den folgenden Runden, so dass es f\u00fcr die EZB leichter ist, die Inflation im Laufe der Zeit zu senken. Transfers wirken sich nicht auf die Erstinflation aus, aber sie begrenzen den anf\u00e4nglichen R\u00fcckgang des Realeinkommens und k\u00f6nnen so den Lohndruck in der zweiten und den folgenden Runden verringern. Um es deutlich zu sagen: Mehr Schutz und h\u00f6here Defizite verringern die Notwendigkeit, die Geldpolitik zu intensivieren, um die Inflation auf ihren Zielwert zur\u00fcckzubringen.<\/p>\n\n\n\n<p>Es besteht also ein klarer Zielkonflikt: Aus Effizienzgr\u00fcnden und um die Wirksamkeit der Sanktionen zu gew\u00e4hrleisten, sollten die Regierungen einkommensst\u00fctzende Ma\u00dfnahmen vermeiden, die das Preissignal abschw\u00e4chen und Russland sogar beg\u00fcnstigen k\u00f6nnten. Unter dem Gesichtspunkt der Inflationskontrolle sollten sie jedoch auf Ma\u00dfnahmen setzen, die eine direkte, messbare Auswirkung auf die Verbraucherpreise haben. Einige Ma\u00dfnahmen sind in beiderlei Hinsicht geeignet (wie bereits erw\u00e4hnt, handelt es sich dabei um Transfers auf der Grundlage des bisherigen Energieverbrauchs). Doch viele der bisher eingef\u00fchrten Ma\u00dfnahmen erf\u00fcllen diese Anforderungen nicht.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-pullquote\"><blockquote><p> Aus Effizienzgr\u00fcnden und um die Wirksamkeit der Sanktionen zu gew\u00e4hrleisten, sollten die Regierungen einkommensst\u00fctzende Ma\u00dfnahmen vermeiden,  die Russland sogar beg\u00fcnstigen k\u00f6nnten. Unter dem Gesichtspunkt der Inflationskontrolle sollten sie jedoch auf Ma\u00dfnahmen setzen, die eine direkte, messbare Auswirkung auf die Verbraucherpreise haben. Einige Ma\u00dfnahmen sind in beiderlei Hinsicht geeignet. Doch viele der bisher eingef\u00fchrten Ma\u00dfnahmen erf\u00fcllen diese Anforderungen nicht.<\/p><\/blockquote><\/figure>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Trilaterale Lohnverhandlungen<\/h3>\n\n\n\n<p>Man kann noch einen Schritt weiter gehen und f\u00fcr trilaterale Gespr\u00e4che, wenn nicht gar Verhandlungen, zwischen Unternehmen, Arbeitnehmern und dem Staat pl\u00e4dieren. Solange die G\u00fcterpreise h\u00f6her bleiben, m\u00fcssen die Reall\u00f6hne und\/oder die Aufschl\u00e4ge niedriger sein. Wie wir bereits er\u00f6rtert haben, kann der Staat den R\u00fcckgang des Realeinkommens der Arbeitnehmer durch Subventionen, Transfers und Preisregulierungen begrenzen, die durch einen Mix aus Steuern f\u00fcr die Bessergestellten oder durch Schuldenfinanzierung finanziert werden, wodurch ein Teil der Last auf k\u00fcnftige Steuerzahler verlagert wird. Die Inflation ist ein \u00e4u\u00dferst ineffizientes Mittel, um ein Ergebnis zu erzielen, da sie entweder von den Arbeitnehmern oder den Unternehmen verlangt, dass sie aufgeben und niedrigere Reall\u00f6hne oder niedrigere Gewinnspannen akzeptieren. Eine Verhandlung, bei der sich Arbeitnehmer, Unternehmen und der Staat auf ein besseres Ergebnis und damit auf eine geringere zweite und weitere Inflationsrunden einigen, ist eindeutig w\u00fcnschenswert.<\/p>\n\n\n\n<p>Ist das erreichbar? Die Rolle solcher sozialer Verhandlungen wird seit langem diskutiert, und die \u00fcbliche Antwort lautet, dass sie ein unrealistisches Ma\u00df an Koordination innerhalb der Unternehmen und Gewerkschaften erfordern. Dieses Mal k\u00f6nnte es anders sein, und trilaterale Verhandlungen oder zumindest Diskussionen sollten eine Option sein, die von den Regierungen in Betracht gezogen wird.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-pullquote\"><blockquote><p>Trilaterale Verhandlungen oder zumindest Diskussionen sollten eine Option sein, die von den Regierungen in Betracht gezogen wird.<\/p><cite>Olivier Blanchard und Jean Pisani-Ferry<\/cite><\/blockquote><\/figure>\n\n\n\n<p>Gelingt es, das Ausma\u00df der Zweitrundeneffekte zu verringern, kann die Geldpolitik entspannter gestaltet werden. Zwei weitere Faktoren sind hier von Bedeutung, auch wenn sie die w\u00fcnschenswerte Geldpolitik in entgegengesetzte Richtungen lenken:<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">M\u00f6gliche Entkoppelung von Erwartungen<\/h3>\n\n\n\n<p>Die auf den Rohstoffschock zur\u00fcckzuf\u00fchrende Inflation folgt auf eine Inflationsrate, die deutlich \u00fcber den Prognosen f\u00fcr 2021 liegt. Schon vor dem Krieg hatte dies zu Bef\u00fcrchtungen gef\u00fchrt, dass sich die Inflationserwartungen abschw\u00e4chen k\u00f6nnten, was die Arbeit der EZB erschweren w\u00fcrde. Ausgehend von der EZB Survey of Professional Forecasters (ECB 2022b) begannen die langfristigen Inflationserwartungen zu steigen, wobei die durchschnittliche Prognose von 1,8 Prozent Anfang 2021 auf 2,1 Prozent im April 2022 stieg (Lane 2022)&nbsp;<span class='whitespace-nowrap'><span id='easy-footnote-34-452' class='easy-footnote-margin-adjust'><\/span><span class='easy-footnote'><a href='https:\/\/legrandcontinent.eu\/de\/2022\/04\/28\/wirtschaftspolitik-im-krieg\/#easy-footnote-bottom-34-452' title='Die Erh\u00f6hung von 1,8% auf 2% war w\u00fcnschenswert; die Frage ist, ob es dabei bleibt.'><sup>34<\/sup><\/a><\/span><\/span>. Dies war zun\u00e4chst eine willkommene Entwicklung, nachdem jahrelang erwartet wurde, dass die Inflation unter dem Zielwert liegen w\u00fcrde, doch besteht nun die Sorge, dass die zus\u00e4tzliche kriegsbedingte Inflation der ersten Runde zu einer regelrechten Deflationierung f\u00fchren wird. Wie unl\u00e4ngst Isabel Schnabel (2022) vom EZB-Direktorium feststellte, scheint dies wahrscheinlich und spricht f\u00fcr einen h\u00e4rteren geldpolitischen Kurs in den folgenden Runden, als dies ohne die h\u00f6here vorherige Inflation der Fall w\u00e4re.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Potenzielle Schw\u00e4chung der privaten Nachfrage<\/h3>\n\n\n\n<p>Der andere bedeutende Faktor sind die Auswirkungen der kriegsbedingten Schocks auf die gesamtwirtschaftliche Nachfrage. Der R\u00fcckgang der Exporte, die Investitionsverluste und die Beeintr\u00e4chtigung des allgemeinen Vertrauens sind gute Gr\u00fcnde f\u00fcr die Annahme, dass die Gesamtnachfrage selbst bei fiskalischer Unterst\u00fctzung schw\u00e4cher ausfallen wird, unabh\u00e4ngig von einer Intensivierung der Geldpolitik. Dies deutet darauf hin, dass eine straffere Geldpolitik weniger notwendig ist als vor dem Krieg, und spricht unter sonst gleichen Bedingungen f\u00fcr eine lockerere Geldpolitik.<\/p>\n\n\n\n<p>Welcher dieser Faktoren \u00fcberwiegen wird und ob die Geldpolitik der EZB straffer oder lockerer sein muss, als vor dem Krieg beabsichtigt, l\u00e4sst sich zum jetzigen Zeitpunkt nur schwer beurteilen. Das Ausma\u00df der Schocks, die St\u00e4rke der Zweitrundeneffekte, die Stabilisierung der Inflationserwartungen und die Schw\u00e4che der Gesamtnachfrage sind alle ungewiss. Die M\u00e4rkte k\u00f6nnen nur sehr schlecht einsch\u00e4tzen, wie sich das auf die Geldpolitik auswirken wird: Die Euro-Zinskurve ist mit Beginn des Krieges stark gesunken, liegt aber jetzt etwas h\u00f6her als vor dem Krieg (siehe Abbildung 4)&nbsp;<span class='whitespace-nowrap'><span id='easy-footnote-35-452' class='easy-footnote-margin-adjust'><\/span><span class='easy-footnote'><a href='https:\/\/legrandcontinent.eu\/de\/2022\/04\/28\/wirtschaftspolitik-im-krieg\/#easy-footnote-bottom-35-452' title='Siehe zum Beispiel die &lt;a href=&quot;https:\/\/www.ecb.europa.eu\/stats\/financial_markets_and_interest_rates\/euro_area_yield_curves\/html\/index.en.html&quot;&gt;Zinskurven&lt;\/a&gt; der EZB f\u00fcr den 23. Februar, den 3. M\u00e4rz und den 17. M\u00e4rz.'><sup>35<\/sup><\/a><\/span><\/span>. Die derzeitige Haltung der EZB, keine gr\u00f6\u00dferen kriegsbedingten Anpassungen vorzunehmen, scheint zum jetzigen Zeitpunkt die richtige zu sein&nbsp;<span class='whitespace-nowrap'><span id='easy-footnote-36-452' class='easy-footnote-margin-adjust'><\/span><span class='easy-footnote'><a href='https:\/\/legrandcontinent.eu\/de\/2022\/04\/28\/wirtschaftspolitik-im-krieg\/#easy-footnote-bottom-36-452' title='&amp;nbsp;Insofern stimmen wir weitgehend mit der Analyse und den Schlussfolgerungen von Isabel Schnabel (2022) in ihrer Rede vom 2. April \u00fcberein.'><sup>36<\/sup><\/a><\/span><\/span>. Aber die EZB wird ihre Haltung anpassen und ungew\u00f6hnlich flink sein m\u00fcssen, um entweder eine dauerhafte Inflation oder eine Rezession zu vermeiden.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">5 Schluss<\/h2>\n\n\n\n<p>F\u00fcr Europa ist der Krieg in der Ukraine ein wirtschaftlicher Schock erster Ordnung. Wenn auch die direkten fiskalischen Folgen der Versorgung von Gefl\u00fcchteten, der gestiegenen Milit\u00e4rausgaben und der St\u00e4rkung der Energieautonomie begrenzt bleiben, sind die Auswirkungen steigender Energie- und Nahrungsmittelpreise auf das Nationaleinkommen und seine Verteilung potentiell gro\u00df. F\u00fcr politische Entscheider ergeben sich daraus drei makro\u00f6konomische Herausforderungen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die erste Frage ist, wie Sanktionen am besten eingesetzt werden k\u00f6nnen, um Russland abzuschrecken und gleichzeitig die negativen Auswirkungen auf die EU-Wirtschaft zu begrenzen. In diesem Zusammenhang ist es wichtig, zwischen \u00d6l und Gas zu unterscheiden. Bei \u00d6l kann Russland sich vom EU-Markt abwenden und auf dem Weltmarkt verkaufen, wo es als Preisnehmer auftritt. Dies hat zur Folge, dass die Auswirkungen der EU-Sanktionen global sind und dass ein europ\u00e4isches Embargo oder Strafz\u00f6lle auf \u00d6l nur begrenzte Auswirkungen auf die \u00d6lpreise f\u00fcr Verbraucher haben sollten. Beim Gas hat die Europ\u00e4ische Union einen betr\u00e4chtlichen Einfluss, da Russland fast vollst\u00e4ndig von der Pipeline-Infrastruktur abh\u00e4ngig ist, die das Land mit dem europ\u00e4ischen Markt verbindet. Da das Angebot aus anderen Quellen jedoch relativ unelastisch ist, hat Russland eine stark abfallende Nachfragekurve und verf\u00fcgt \u00fcber eine betr\u00e4chtliche Marktmacht. Angesichts der technischen Beschr\u00e4nkungen und dieses strategischen Spiels ist ein Gasembargo nicht durchf\u00fchrbar. Strafz\u00f6lle sind jedoch durchaus realisierbar, sie w\u00e4ren effektiv und sollten in Betracht gezogen werden, trotz der zu erwartenden starken Auswirkungen auf die Verbraucherpreise.<\/p>\n\n\n\n<p>Die zweite Herausforderung betrifft den Umgang mit dem R\u00fcckgang des Realeinkommens aufgrund des Anstiegs der Energieimportrechnung. Hier gibt es zwei Fragen, die politischer Kl\u00e4rung bed\u00fcrfen. Erstens: Wenn Regierungen die K\u00e4ufer &#8211; Verbraucher und Unternehmen &#8211; teilweise vor dem Anstieg sch\u00fctzen wollen, haben sie die Wahl zwischen verschiedenen Ma\u00dfnahmen, von direkten Subventionen \u00fcber gezielte Transfers bis hin zu Vorschriften und Preisobergrenzen. Bei Gas und in geringerem Ma\u00dfe auch bei \u00d6l k\u00f6nnten Subventionen &#8211; insbesondere pauschale Steuersenkungen &#8211; die Wirkung von Sanktionen teilweise ausgleichen und sind daher unerw\u00fcnscht. Pauschale Transfers, die sich nicht auf den marginalen Preis auswirken und folglich die Anreize zur Verringerung der Nachfrage nicht mindern, sind vorzuziehen, insbesondere wenn sie an Haushalte mit niedrigem Einkommen und andere besonders betroffene Haushalte gerichtet sind. Zweitens m\u00fcssen die Regierungen entscheiden, wie sie die zus\u00e4tzlichen Ausgaben finanzieren wollen. Da ein Teil der Ausgaben zeitlich befristet ist und Unsicherheit, Realeinkommensverlusten und geringere Exporten nach Russland einer schwachen Gesamtnachfrage nach sich ziehen, k\u00f6nnte eine fiskalische Unterst\u00fctzung und damit eine zus\u00e4tzliche Defizitfinanzierung erforderlich sein. Selbst wenn die Defizite gr\u00f6\u00dfer sind, werden die Schuldenquoten angesichts der hohen Inflation und der immer noch niedrigen nominalen Zinss\u00e4tze in den n\u00e4chsten ein bis zwei Jahren voraussichtlich sinken, so dass die Schulden&nbsp; tragf\u00e4hig bleiben werden.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-pullquote\"><blockquote><p> Bei \u00d6l kann Russland sich vom EU-Markt abwenden und auf dem Weltmarkt verkaufen, wo es als Preisnehmer auftritt. Dies hat zur Folge, dass die Auswirkungen der EU-Sanktionen global sind und dass ein europ\u00e4isches Embargo oder Strafz\u00f6lle auf \u00d6l nur begrenzte Auswirkungen auf die \u00d6lpreise f\u00fcr Verbraucher haben sollten. <\/p><cite>Olivier Blanchard und Jean Pisani-Ferry<\/cite><\/blockquote><\/figure>\n\n\n\n<p>Die dritte makro\u00f6konomische Herausforderung ist der Umgang mit dem Anstieg der Inflation infolge h\u00f6herer Energie- und Lebensmittelpreise. Hier sind zwei Kr\u00e4fte am Werk. Die erste besteht in der Notwendigkeit, eine Verankerung der Inflationserwartungen zu vermeiden, was angesichts der bereits vor dem Krieg erheblich gestiegenen Inflation&nbsp; eine noch gr\u00f6\u00dfere Herausforderung darstellt als ohnehin schon, da die Inflation bereits vor dem Krieg erheblich gestiegen war. Um dieser Gefahr vorzubeugen, w\u00e4re eine Straffung der Geldpolitik erforderlich. Der zweite Faktor ist, dass der Verlust an Realeinkommen selbst mit einem gewissen fiskalischen Ausgleich wahrscheinlich zu einer schw\u00e4cheren Gesamtnachfrage f\u00fchren wird, was eine Lockerung der Politik erforderlich macht. Die Herausforderung f\u00fcr die politischen Entscheidungstr\u00e4ger besteht darin, mit diesen widerspr\u00fcchlichen Zielen umzugehen. Dabei erg\u00e4nzen sich die politischen Instrumente gegenseitig. Eine Kombination aus gut durchdachter fiskalischer Unterst\u00fctzung f\u00fcr die privaten Haushalte und trilateralen Lohndiskussionen k\u00f6nnte dazu beitragen, den Zielkonflikt, mit dem die Zentralbank konfrontiert ist, zu mildern.<\/p>\n\n\n\n<p>In jeder dieser drei Dimensionen besteht eine erhebliche Unsicherheit hinsichtlich des Resultats. Die Energiepreise k\u00f6nnen viel st\u00e4rker steigen als bisher oder auf das Vorkriegsniveau zur\u00fcckkehren. Dies bedeutet, dass der Verlust an Realeinkommen und der Inflationsdruck sehr viel gr\u00f6\u00dfer sein k\u00f6nnen oder aber weniger stark ausfallen als derzeit prognostiziert. Dies f\u00fchrt zu unserer letzten Schlussfolgerung. Die Fiskal- und Geldpolitik sollte flexibel sein und aus Ma\u00dfnahmen bestehen, die je nach Bedarf leicht angepasst werden k\u00f6nnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Krieg ist niemals ohne Kosten. 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